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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
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ßender Schnelle, und nahm bald das ganze Bewußtſein ein, da die Verzweifelnde keine Anſtrengungen machte, die ſuͤndlichen Gedanken zu bekaͤmpfen—.

Eben gab das Hausgloͤckchen das Zeichen zu der begin⸗ nenden Abendandacht.„Wachet und betet,“ ſchien es vernehm⸗ lich zu rufen; ſie hoͤrte das bekannte Zeichen nicht; der Eine Ge⸗ danke, das Leben von ſich zu werfen, das ihr— ach, durch eigne Schuld, eine unertraͤgliche Laſt geworden war, verdraͤngte alle andern, und raubte ihr faſt die Beſinnung.

Auf den Zehen, mit ſcheuem Blicke, als fuͤrchtete ſie ſich vor ſich ſelbſt, als muͤßte ihr Jedermann die verbrecheriſchen Abſichten anſehen, ſchlich ſie hinaus zu ihrer Kammer; aber an der Thuͤr blieb ſie doch noch einmal ſtehen. Sie ſchaute ſich um in dem Stuͤbchen,— ihr wirrer Blick ſchweifte unſtaͤtt hin uͤber die beſchraͤnkte Staͤtte ihrer Jugendfreuden und Leiden. Wie oft war ſie ſonſt dort auf dem harten Lager ruhig und froͤhlich entſchlummert und wieder aufgewacht, als noch keine Schuld ihr junges Herz befleckt hatte; wie manches frohe Lied, der Ausbruch jugendlicher unbefangener Froͤhlichkeit, hatte von den Waͤnden ſonſt wiedergehallt, wie manches innige Dank⸗ und Lobgebet war dort zu Gott aufgeſtiegen?— Und jetzt?— Wie manche ſchlafloſe Nacht hatte ſie ſich auf ihrem Lager her⸗ umgeworfen, ſeit jene unerlaubte Liebe ihr Herz ſo ganz erfuͤllt, und ſie, hingeriſſen von leidenſchaftlichem Rauſche, in einer ſchwachen Stunde ſich vergeſſen hatte? War nicht mit der Suͤnde alle Ruhe gewichen? Hatte nicht durch das Bewußt⸗ ſein, unrecht gehandelt zu haben, das Leben ſeine freundliche Seite verloren?— Dort hing der Confirmationsſchein an der Wand, auf welchen der gute Pfarrer, nebſt frommem Segens⸗ wunſche, den Bibelſpruch geſchrieben hatte, den er am feierlichen Tage der Einſegnung ſeinen Kindern in begeiſterter Rede ans Herz gelegt hatte:„Die Gottſeligkeit iſt zu allen Dingen nuͤtze und hat die Verheißung dieſes und des zukuͤnf⸗ tigen Lebens!“— Wie oft war ſie durch jenes Bibelwort an jene feierlichſte Stunde ihres Jugendlebens erinnert worden, in welcher des Prieſters Hand ſegnend auf ihrem Haupte ruhte, und ſein Mund ihr zugerufen hatte:„Nimm hin den heiligen Geiſt, Schutz und Schirm von allem Boͤſen, Staͤrke und Kraft zu allem Guten aus der gnaͤdigen Hand Gottes des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geiſtes!“— O, wie hatte damals das Herz ihr 3*⁴

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