kommt, Herr Paſtor,“ ſagte er leiſe,„ſo ſind wir nicht recht Eins, ich und mein Schwiegerſohn; Er will immer Geld ha⸗ ben von mir, Er war geſtern deßhalb bei mir; aber ich bin gar kein reicher Mann! Er hat ſich gewaltig geſchnitten, wenn er das gedacht hat. Ich habe viele Kinder und muß mich nach der Decke ſtrecken.— Ein guter Name iſt auch ein ſchoͤnes Heirathsgut,— und das hat meine Tochter mitge⸗
bracht, das hab ich ihm geſtern geſagt. Nun mags zu Hauſe bittre Worte geſetzt haben, und mein armes Toͤchterchen wird
wohl haben den Kuͤrzern ziehn muͤſſen.“— „Unterſtuͤtzt denn der alte Brenz nicht ſeine Soͤhne!“ warf der Paſtor ein. 1
„Ja, Herr Paſtor, der hat erſt den Karren'nein gefahren.
Der hat ſeine Soͤhne an die vielen Ausgaben gewoͤhnt; aber
wer ſeine Kinder zaͤrtelt, ſetzt ſie ins leichte Schiff!— Ach,
Herr Paſtor, wenn Sie nur meinen Schwiegerſohn ſelber ein⸗ mal koͤnnten ins Gewiſſen reden, daß er wenigſtens nicht ſo gotteslaͤſterliche Reden fuͤhrte. Es iſt zwar in ſeinem Hauſe auch keine Froͤmmigkeit, und er laͤuft zum Tiſch, wie die Sau zum Troge, wie man zu ſagen pflegt, und meine Tochter hat ſchon bitterliche Thraͤnen daruͤber vergoſſen; aber wenn er nur wenigſtens vor andern Leuten, ſelber vor ſeinen Kindern, nicht uͤber Gottesfurcht und Kirchlichkeit loszoge! Wenn Sie ihn ein⸗ mal ein Licht aufſteckten. Freilich: Wenn das Aug' nicht ſehen will, da helfen weder Licht noch Brill!“
Der Paſtor verſprach bei paſſender Gelegenheit das zu un⸗ und mit herzlichem Haͤndedrucke verabſchiedete ſich jetzt Zeorg.— 8
Iſts doch eine ſchoͤne, alte, herzliche Sitte unſrer lieben Vorfahren, die Hand zum Gruße, wie zum Abſchiede, herzlich zu druͤcken, eine Sitte, deren Viele, die ſich vornehmer duͤnken, in unſrer uͤberbildeten, oft herzloſen Zeit, ſich zu ſchaͤmen anfangen.
Wenn aber das Herzliche anfaͤngt, als gemein zu gelten, dann werden mit den patriarchaliſch⸗herzlichen Formen des Umgangs
auch bald das, was ſie anſchaulich machen ſollen,— die Of⸗
fenheit und Aufrichtigkeit, ſchwinden,— und das Kalte, Abge⸗
meſſene, Selbſtſuͤchtige, was man fuͤr vornehm zu halten an⸗ faͤngt, immer ungehinderter Eingang finden. Ein deutſcher Haͤndedruck, Aug' in Auge, Hand in Hand; wie warm, wie wahr;— wie leicht aber laͤßt ſich hinter dem vornehmen Nei⸗


