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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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„Es iſt doppelt traurig,“ meinte der Paſtor,„daß der Auguſt Brenz gerade als Gemeindevorſtand ein ſo irreligioͤſer Mann iſt. Wenn gerade die Angeſeheneren in der Gemeinde die Religion wie die Kirche und ihre Diener verachten, ſo wirkt das hoͤchſt nachtheilig auf die niedriger Stehenden ein, von de⸗ nen Viele ſo gern aus Liebedienerei, oder auch aus bloſer Nach⸗ ahmungsſucht, den Vornehmern es nachmachen, und ihnen auch in Nichtachtung des kirchlichen Lebens folgen! Seit Jahren iſt der Brenz nun nicht zum heiligen Abendmahl gekommen; das betruͤbt mich eben ſo ſehr, wie ſeine Frau. Thaͤte Er es auch nur des Beiſpiels wegen, ſo gaͤbe er doch Anderen keinen Anſtoß, ja ſo waͤre doch auch fuͤr ihn ſelbſt nicht alle Gele⸗ genheit abgeſchnitten, daß der feierliche Ernſt einer heiligen Hand⸗ lung einmal unwillkuͤrlich ſein Herz ergriffe, und fuͤr chriſtliches Leben neu begeiſterte! Wie unrecht iſts doch, kirchliche, gottes⸗ dienſtliche Handlungen zu verachten, deren Werth und Segen man nicht kennt, nicht kennen lernen will, und kirchlichen An⸗ dachtsuͤbungen alle Wirkung abzuſprechen, an denen man gar nicht Theil nimmt, deren Werth oder Unwerth man alſo min⸗ deſtens aus eigner Erfahrung nicht zu beurtheilen verſteht! Wie unrecht iſt es, weil man ein Mal oder mehrere Male in der Kirche keine Erbauung gefunden zu haben glaubt, die Kirche gar nicht mehr zu beſuchen, oder weil man einige Geiſtliche nicht achten konnte, deßhalb alle Prediger, das Predigtamt und Wort Gottes dazu zu verachten!— Da iſt mir der alte Brenz immer noch lieber—“

„Aber Der kommt aus bloſer Gewohnheit, Herr Paſtor,“ unterbrach ihn Georg,„fuͤr den ſeine Religioſitaͤt gebe ich keine taube Nuß—

„Iſts doch immer beſſer, als wenn er gar nicht kommt?“ eiferte der Paſtor.„Er geht dem Worte Gottes nicht aus dem Wegez es iſt doch dann moͤglich, daß der Herr auf irgend eine Weiſe einen Weg in ſein Herz finde!— Aber Eure Tochter bedaure ich!“

„Die Reue iſt ein hinkender Bote und kommt hintennach,“ verſetzte Georg.„Ich habs gleich geſagt, obgleich mans da⸗ mals noch nicht wiſſen konnte, aber der junge Kerl ſchmiß das Geld weg, wie Heu. Was ein Haͤkchen werden will, kruͤmmt ſich bei Zeiten. Wenns nur bei dem nicht auch wahr wird: Junge Schlemmer, alte Bettler.— Und was nun noch dazu