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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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ziemlich eingegangene alte Sitte wieder aufbraͤchte. Dumpfen

Sinnes blieb er in ſeinem Kirchenſtuhle ſitzen, Geſang, Gebet 4

und Predigt rauſchten an ſeinen Ohren voruͤber, und in ſtumpfer

Gleichgiltigkeit ging er mit ſeinem Vater nach Hauſe, entſchloſſen,

in deſſen Willen ſich zu fuͤgen.—

Unter den Communikanten war auch die Frau von Chri⸗ ſtians Bruder, Auguſt, die Tochter des Bauers Georg. Die arme Frau hatte rothgeweinte Augen und ihr niedergedruͤcktes Auͤßere verrieth einen innern Kummer.„Iſt Ihr Mann nicht

ſtimmt; Chriſtian wollte nicht der Erſte ſein, der dieſe leider

mit?“ ſo hatte der Pfarrer ſie fruͤh gefragt, als ſie ſich zur

Beichte meldete; truͤbe hatte ſie den Kopf geſchuͤttelt, und die Thraͤnen waren ihr in die Augen getreten. Wie gern haͤtte ſie der Pfarrer gefragt, wie gern ihr ein Wort des Troſtes allein geſagt; aber ſie war nicht allein, und er mußte ſchweigen. Theilnehmend fragte der Pfarrer nach der Kirche den alten Georg, der das Amt eines Kirchvaters ſeit vielen Jahren ge⸗ wiſſenhaft verwaltete, nach dem Kummer ſeiner Tochter.

Georg runzelte die Stirn.„Herr Paſtor,“ antwortete

er,„es iſt nicht Alles Gold was gleißt.“ „Wie ſo?“ fragte der Paſtor. „Sehen Sie, Herr Paſtor,“ verſetzte Georg,„die Heirath

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meiner Tochter mit dem Auguſt Brenz, dem jetzigen Gemeinde⸗

vorſtand, wurde fuͤr ein großes Gluͤck ausgeſchrieen; aber—

der hinkende Bote kommt nach.— Meine Frau hat die Heirath

durchgeſetzt; ich wollte nicht, unds Maͤdel wollte auch nicht.

Sehen Sie:„Gezwungene Liebe und gefaͤrbte Schoͤnheit hal⸗ ten die Farbe nicht?“— 2 „Und das iſt der Kummer Eurer Tochter—“

„Nun das ſo eigentlich nicht,“ bemerkte Georg;„ſie hat

ſich in ihren Stand hineingefunden, und haͤlt ihren Mann in allen Ehren; aber der Mann taugt Nichts— Voll macht toll! — Naſchen macht leere Taſchen!— Was aber das Schlimmſte iſt, der Mann hat keine Religion.— Art laͤßt nicht von Art! — Sie kennen doch den alten Brenz. Der mag auch heute bei der Communion ſchoͤn andaͤchtig geweſen ſein, nachdem er ge⸗ ſtern erſt ſeine Schweſter aus dem Hauſe geworfen hat! Bei denfhe mit Recht: Lang Mundwerk, ſchlechter Gottes⸗ ienſt.“——