Druckschrift 
Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Dich ſelbſt, und ſieh, wie Luther im Katechismus ſagt, Deinen Stand an nach den heiligen zehn Geboten, ob Du Vater, Mut⸗ ter, Sohn, Tochter— ſeiſt, ob Du ungehorſam, untreu, un⸗ lleißig, zornig, unzuͤchtig, gehaͤſſig geweſen ſeiſt. Biſt Du un⸗ gehorfam, untreu, zornig, unzuͤchtig geweſen?— Herr, wir liegen vor Dir mit unſerm Gebet nicht auf unſre Gerech⸗ tigkeit, ſondern auf Deine große Barmherzigkeit! Wie vieles Alte, wie viele ſuͤndige Angewohnheiten, Leidenſchaften, Wuͤnſche ſind noch in uns zu beſſern, zu lauͤtern, umzuſchaffen, neu zu machen? Ja, wir ſprechen es laut aus, das Bekenntniß unſerer Suͤnden, denn da ich's wollte verſchweigen, verſchmachteten meine Gebeine. Darum bekenne ich meine Suͤnden und ver⸗ hehle meine Miſſethat nicht; da vergibſt Du mir die Miſſethat meiner Suͤnde. Willſt Du's verſchweigen? Tretet herzu zum Altar des Herrn, demuͤthiget Euch vor Gott auf den Knieen, und legt Euer Suͤndenbekenntniß ab vor Gott dem Allwiſſen⸗ den und dieſer Gemeinde, und ſprechet: Allmaͤchtiger Gott, barmherziger Vater, ich armer, elender, ſuͤndhafter Menſch be⸗ kenne Dir alle meine Suͤnden“ u. ſ. w.—

Der Geiſtliche hatte geendet und die Abſolution geſprochen, aber noch ein Mal erhob er ſeine Stimme.„Ich habe Euch die Vergebung Gottes verkuͤndet im Namen Chriſti. Ihr, die Ihr den guten, ernſtlichen Vorſatz habt unter den Beiſtande Gottes, des heiligen Geiſtes, Euer ſuͤndiges Leben hinfort zu beſſern, Ihr, in denen das Alte vergangen, und Alles neu ge⸗ worden iſt, Ihr werdet mit ſeligen Gefuͤhlen ausrufen: Meine Suͤnden ſind mir vergeben!— Ihr aber, die Ihr Euch nicht heiligen laſſen wollt vom Geiſte Gottes, Ihr die Ihr die alten, ſuͤndigen Menſchen bleiben wollt, habt keine Vergebung!—— Herr, Herr, o ſo gieb doch Du, daß Viele, recht Viele aus Herzensgrunde mir nachrufen moͤchten: Siehe, das Alte iſt vergangen, es iſt Alles neu geworden. Amen.“

Der Prediger hatte den Altar verlaſſen und des Schulleh⸗ rers wohlklingende Stimme begann jetzt das Morgenlied:

„Aus meines Herzens Grunde Sing ich Dir Lob und Dank In dieſer Morgenſtunde

Und jetzt mein Lebenlang!“—

Wie verſchieden war doch dieſer Herzensgrund, aus dem Gottes Lob jetzt erſchallte; aber wo es wirklich aus dem Her⸗