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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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Natur hinſchritten, kalt und theilnahmlos, wollte noch kein neues ſittliches Leben beginnen.

Sie traten andachtslos in die ſtille Kirche, ſie beteten ge⸗ dankenlos das erſte Vaterunſer; wie konnte ihr Gebet erhoͤret werden, da die ſelbſt es nicht hoͤren wollten, die da beteten? Da trat der Prediger vor den Altar; ernſt wendete er ſich zu den Abendmahlsgenoſſen.

Iſt Jemand in Chriſto, ſo iſt er eine neue Crea⸗ turz ſehet, das Alte iſt vergangen, es iſt Alles neu ge⸗ wordenz mit dieſen Worten der Schrift, ſagte der Paſtor mit Ausdruck,begruͤße ich Euch meine lieben Beichtkinder, heute, an dieſem herrlichen Fruͤhlingsmorgen, an dem Altare Eures Heilandes. Siehe das Alte iſt vergangen, es iſt Alles neu ge⸗

worden, ſo ruft die Erde uns zu in der herrlichen Zeit, von der

die Schrift ſagt: Siehe der Winter iſt vergangen, der Regen iſt weg und dahin, die Blumen ſind hervorge⸗ kommen im Lande, der Lenz iſt herbeigekommen und die Turteltaube laͤßt ſich hoͤren in unſerm Lande. Der Feigenbaum hat Knoten gewonnen, die Weinſtoͤcke haben Augen gewonnen und geben ihren Geruch. Stehe auf! Ja, Alles ringsum im Reiche der Natur ge⸗ ſtaltet jeden Lenz ſich neu und anders; nur der Menſch bleibt derſelbe mit ſeinen Sorgen, ſeinen Fehlern. O, daß es doch auch fuͤr jedes Menſchenherz in ſittlicher Erneuerung und frucht⸗ barer Lebensaͤnderung einen Fruͤhling gaͤbe, als Anfang eines dauernden, heiligen Geiſteslebens, das nicht wieder in kalten Winterſchlaf zuruͤckfallen koͤnnte! Erſcheinen nicht gerade in den

Fruͤhlingstagen jene kirchlichen, ſchoͤnen Feſte, welche des Auf⸗ erſtandenen Wiedererſcheinen auf Erden feiern, dieſe vierzig Tage

zwiſchen Oſtern und Pfingſten, in welchen der Herr Chriſtus bei uns gleichſam von Neuem einkehrt, um uns zu ermahnen,

daß auch in uns das Alte vergangen ſein, und Alles neu

werden muͤſſe? Gras und Blumen wachſen hervor, der Schmet⸗ terling kriecht aus ſeiner Huͤlle, der Zugvogel verlaͤßt die Win⸗ terquartiere, Alles jubelt und freut ſich des neuen Lebens; nur der Menſch, weil er hoͤher ſteht, als die Natur und ihre Gebilde, er allein fuͤhlt keine noͤthigende Veraͤnderung in ſich, er allein kann das ſein und bleiben, was er war, der ſorgen⸗ volle, verdrießliche, der ſuͤndige Menſch! Leider benutzen ſo Viele dieſes Vorrecht eines vernuͤnftigen freien Geſchoͤpfs! Mag