1 II.
Noch glaͤnzte des lieblichen Morgenſternes bleicher und blei⸗ cher werdendes Licht an dem ſich roͤthenden Himmelz Alles war ſtill; Sabbathruhe auf der weiten Flur; die ganze Natur ſchien den Ruf gehoͤrt zu haben: Bereitet dem Herrn den Weg! Und bald ſchaute auch die Morgenſonne in das Schlafſtuͤbchen des Pfarrers herein. Da ertoͤnten die Glocken vom Thurme, als Klaͤnge aus dem Reich der Gnade, um den erſten Tag der Woche,— den Tag, an welchem der Herr einſt von den Todten erſtand, als einen heiligen Tag der ganzen weiten Chriſtenheit, — ja Aller Chriſten Sonntag, zu weihen, einzufuͤhren mit dem Segenswunſche: Mache Dich auf, werde Licht!
Der Pfarrer war laͤngſt in ſeine Studirſtube gegangen, als es jetzt auch in dem uͤbrigen Hauſe lebendig ward.— Es war ihm ein wohlthuendes Gefuͤhl, zu wiſſen, auch die Seinen hatten das Lager nicht verlaſſen, ohne zu beten und zu danken, und eben ertoͤnte aus der Unterſtube herauf der Morgengeſang ſeiner Kinder in der Weiſe des Liedes:„Wie ſchoͤn leuchtet der Morgenſtern,“ und die Morgenglocken klangen laut dazwiſchen: „Lobe den Herrn meine Seele, und was an mir iſt Seinen heiligen Namen.“
Es iſt etwas Herrliches um die Ruhe eines Sonntags⸗ morgens, zumal auf dem Lande. Kein Wagengeraſſel, kein Laͤrmen vielbeſchaͤftigter, gewinnſuͤchtiger Menſchen ſchlaͤgt an das Ohr, und ſelbſt die Thiere haben Ruhe. Das vielgeplagte Roß, der muͤde Zugſtier, des Muͤllers abgetriebene Sacktraͤger, wie der treue Hund des armen Kaͤrners, ſie alle ſtehen daheim und feiern ihren Sabbath.— Keine Art ertoͤnt im Walde, das ſcheue Wild verjagend, keine Senſe ſtoͤrt die Lerche im Korn, und die Fiſchlein ſpielen ruhig im klaren Waſſer, nicht beun⸗ ruhigt durch das Klappern der Muͤhlen im Thale. Ueberall Ruhe,— Schweigen,— damit das Auͤßere ein Bild des In⸗ nern ſei, und Alles ſcheint uns zuzurufen: Menſchenkind, ruhe und bete!— Noͤgen buͤrgerliche Geſetze auch in gewiſſen Faͤllen die Entheiligung des Sabbaths erleichtern, und den Sabbaths⸗ ſchaͤnder ungeſtraft laſſen; ſollte es wohl noͤthig ſein, den Chri⸗ ſten erſt durch Strafen abzuhalten, außer den Werken der Noth und der Liebe, den Feiertag nicht durch die Feldarbeit und durch


