20
hafte Mann,„ich weiß am Beſten, wie viel meinen Arbeiten noch fehlt, und wie wenig ich noch mit ihnen zufrieden ſein kann. Und je mehr man von mir erwartet, deſto ſchwaͤcher kommt mir meine Kraft vor, und ich erſcheine mir immer um ſo kleiner, je tiefer ich in den Sinn der unerreichbaren Predigten deſſen eindringe, der der Weg, die Wahrheit und das Leben iſt.“—
„Du urtheilſt zu beſcheiden von Dir, guter Mann,“ ver⸗ ſetzte die Pfarrfrau.„Du giebſt ja keine trockene Auseinander⸗ ſetzung, keine langweiligen, ermuͤdenden, breiten Redensarten, — nein, das Herz ſpricht bei Dir— und was aus dem Her⸗ zen heraus ſo warm und innig geſprochen wird, das dringt wie⸗ der zum Herzen. Ich werde viel, viel leichter uͤberzeuget, wenn ich in Miene, Ton und Geberdenſpiel ſehe, daß der Prediger ſelbſt uͤberzeugt iſt von dem, was er ſagt! Darum gefaͤllt mir auch unter eines Geiſtlichen Bild die Unterſchrift ſo ſehr: Ich glaube, darum rede ich!“—
„Aber gehe nun, Mutter,“ ſagte der Prediger ſanft,„auf daß ich ungeſtoͤrt noch einmal die Predigt durchdenken kann.“
Die ganze Predigt, Gedanke fuͤr Gedanke, ſchwebte an ſeiner Seele nochmals voruͤber. Er freute ſich, darin eine Be⸗ ſtaͤtigung zu finden, daß er klar und folgerichtig gedacht, und das Gedachte beſtimmt und verſtaͤndlich ausgedruͤckt habe, und er fuͤgte der Predigt das Amen aus vollem Herzen hinzu.
Da uͤberraſchten ihn des Abendlieds ſanfte Toͤne, welche aus der Unterſtube herauf in das ſtille Studirſtuͤbchen drangen, worauf Alles ſtill ward im ganzen Hauſe. Jedes hatte ſein Lager aufgeſucht; nur in des Paſtors Zimmer brannte noch die kleine Studirlampe und beleuchtete das ernſte Antlitz des edlen Prieſters. Immer heitrer wurden deſſen Zuͤge, denn ſeine Ge⸗ danken wurden zum Gebet. Seine Lippen bewegten ſich leiſe, und ſein Herz ſprach heilige innige Worte der Fuͤrbitte und des
lehens fuͤr ſeine Gemeinde und fuͤr des heiligen Amtes Segen, das die Verſoͤhnung predigt. Und der Herr allein hoͤrte die hei⸗ ligen Geluͤbde des fuͤr ſeinen Beruf begeiſterten Mannes, der bei ſtrenger Selbſtpruͤfung demuͤthig zwar ſeine Schwachheit an⸗ erkannte, aber in der innigen, glauͤbigen Gemeinſchaft mit dem Herrn die Kraft ſuchte, die keiner mehr bedarf, als der, der Viele rufen ſoll zur Gerechtigkeit.— Auch der Pfarrer hatte ſich zur Ruhe begeben, und das


