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„Sieh, Mutter,“ ſagte er,„wie froͤhlich wachſen doch die Bauͤmchen, die ich nach unſerm ſeligen Johannes und der kleinen Marie nannte? Zwar ſind beide Kinderchen todt; der liebe Gott hat ſie in ſeinen himmliſchen Garten verpflanzt; aber ihre Bauͤmchen gruͤnen und bluͤhen fort auf Erden, und weiſen mit ihren gruͤnen Kronen gen Himmel. Sollten ſie uns nicht ſinnbildlich erinnern koͤnnnen, wie kein Keim unter⸗ geht im großen Reiche des wunderbaren Gottes? Ja, auch die Keime zur Menſchheit, die in den ſterbenden Kindern noch un⸗ entwickelt lagen, wird eine andre Welt vielleicht zu noch herrli⸗ chern Bluͤthen und Fruͤchten reifen!“
Am Hauſe empfingen den Vater die jubelnden, Kinder — es waren zwei Maͤdchen, Gretchen und Roͤschen, und zogen ihn hinein in das alte Pfarrhaus, in die niedrige Stube.
„Vater“ rief Roͤschen,„denk Dir nur, der Phylax iſt wie⸗ der geſund, er frißt wieder, der Phylar!— das gute Thier!“—
„Ja Vater,“ betheuerte Roͤschen,„Gretchen hat ihm aber auch alle Viertelſtunden Umſchlaͤge gemacht— alle Viertelſtun⸗ den; und ich habe zugeſehen, und ihn geſtreichelt, daß er gut that— Vater, wie er unſre Hand geleckt hat, und wie er uns freundlich angeſehen hat!“
„Roͤschen hat auch mit geholfen“— bemerkte Gretchen, —„ſie iſt ganz allein zum Thierdoctor gelaufen und hat dem Phylax auch eine Semmel gekauft.“—
„O, Vater, das iſt gar ſo huͤbſch,“ rief Roͤschen,„wenn Alles im Hauſe luſtig und froͤhlich iſt. Du und die Mutter, und die Muhme, und Gretchen;— und— nun ja—, wenn der arme Hund ſo jammert, das thut Einem auch weh.“—
Der Vater laͤchelte ſtillvergnuͤgt und ſtreichelte die guten Kinder, durch die er ſo viele reine Freuden ſchon genoſſen hatte und taͤglich genoß, und ſetzte ſich zu den Kindern, und ſpielte mit ihnen, und erzaͤhlte ihnen; und die Kinder waren ganz gluͤcklich, als es der Vater endlich bemerkte, daß zwei ſchoͤne Blumenſtrauͤße auf ſeinem Pulte ſtanden, und jedes von ihnen wollte dem Andern die Ehre laſſen, daß ſein Strauß ſchoͤ⸗ ner waͤre, als der andere,— bis endlich die Mutter das Abendeſſen brachte, und die ganze Familie ſich wieder um den runden Tiſch ſetzte, zu gemeinſchaftlichem Gebete, und gemein⸗ ſchaftlicher Freude an Gottes Gaben,— worauf der Paſtor heiter und gluͤcklich in ſeine Studierſtube, an ſeine Arbeit, hinaufging.—


