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Wahrlich, wir, Geiſtliche und Gemeinden, koͤnnen Gott nicht genug dafuͤr danken, daß der evangeliſche Geiſtliche ein Menſch ſein darf— ein Menſch unter Menſchen, Gatte und Vater, ein Vorbild fuͤr ſeine Gemeinde auch im ehelichen und hauͤslichen Leben!„Ein Biſchof ſoll unſtraͤflich ſein, eines Weibes Mann, der ſeinem Hauſe wohl vorſtehe, der gehorſame Kinder habe mit aller Ehrbarkeit, auf daß er maͤchtig ſei, zu ermahnen durch die heilſame Lehre!“— O der goldenen Worte des heiligen Paulus!— Und doch durften Menſchenſatzungen chriſtliche Geiſtliche in eine ſo widernatuͤrliche, troſtloſe Stellung bringen, in welcher ihnen die ſuͤßeſten und heiligſten Gefuͤhle der Menſchenbruſt ein ver⸗ ſchloſſenes Paradies bleiben ſollten! Nun wahrlich, wenn es nur fuͤr den Prieſter Gottes Suͤnde ſein ſollte, in das liebe Auge eines treuen Weibes zu blicken, ſich des erſten Laͤchelns ſeiner Kinder, des ſuͤßen Vater und Mutternamens, ſich der Gatten⸗ und Kinderliebe zu freuen, wie koͤnnte Gott die Liebe ſein! Wie koͤnnte der Geiſtliche warm von goͤttlicher und menſch⸗ licher Liebe predigen, dem die naͤchſte Gelegenheit fehlte, Liebe zu geben und zu empfangen? Nein, die Liebe zu Weib und Kindern macht erſt das Herz recht weit fuͤr die Liebe zu dem groͤßern Familienkreiſe, den Kirchkindern, deren geiſtiger Vater der Geiſtliche iſt! Luther, Du Gottesmann, Dir dankt's die ganze evangeliſche Geiſtlichkeit, wenn Familienfreuden und Fa⸗ milienſegen wieder in die Pfarrhauͤſer einzogen, Dir dankt es die ganze evangeliſche Chriſtenheit, daß ſie ihre Seelſorger auch als Gatten und Vaͤter achten und lieben darf!
Nach dem einfachen Abendeſſen kam die Pfarrfrau auf des Paſtors Studirſtube, wie ſie ſonſt gewohnt war, und ſetzte ſich in dem bequemen Großvaterſtuhl ſtill nieder, wartend, bis der Paſtor, der noch immer an ſeiner Predigt beſſerte, Zeit gewinnen wuͤrde, um ihr, wie er von Anfange ſeines Eheſtandes her ge⸗ wohnt war, die Sonntagspredigt vorzuleſen.— Wie oft ſchon hatte er in der treuen Gattin den andaͤchtigſten Zuhoͤrer, und in ihrem klaren, chriſtlich reichen Gemuͤthe, in ihrem natuͤrlichen Takte einen treffenden Beurtheiler ſeiner Arbeit gefunden! Wie oft ſchon hatte ſie ihm ſo gegenuͤber geſeſſen, und ſeiner Rede gelauſcht, wie ſo freundlich ſtets ihn auf kleine Unvollkommen⸗ heiten aufmerkſam gemacht, ſo daß er ſie verbeſſern konnte; wie warm hatte ſie ihm, wenn er geendet, gedankt fuͤr den geiſtlichen
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