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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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feuer, um dem grilligen Gatten einen Kaffee zu kochen; dort ward vielleicht mit ſchwerem, ſorgenvollem Herzen ein Kranken⸗ ſuͤppchen zubereitet, und dort hatte wohl Hunger und Noth das Feuer auf dem Heerde laͤngſt ausgeloͤſcht!

Und aller dieſer Menſchen irdiſchen Beruf ſoll ich hei⸗ ligen? dachte der Paſtor tief bewegt.Erwartet man nicht von mir, von dem heiligen Amte, deſſen Diener ich bin, He⸗

bung und Foͤrderung der Sittlichkeit, des religioͤſen Sinnes?

Soll nicht meines Mundes ſchwaches Wort dieſem irdiſchen

Leben die hoͤhere Weihe geben, und himmliſche Heiterkeit, goͤtt⸗

lichen Frieden in Herzen und Hauͤſer bringen? Von mir will die Mutter Rath und Hilfe zur frommen Erziehung ihrer Kinder! Ich ſoll dem Gatten weiſe Lebensregeln fuͤrs Leben mit⸗ geben, den Ehefrieden erhalten, und den Eheunfrieden belegent Ich oll den Gluͤcklichen maͤßig und genuͤgſam; den Noth

leidenden, den Kranken und Sterbenden ruhig, ich die Hert⸗ ſchaften mild und verſtaͤndig, die Dienenden gehorſam machen! Von mir verlangt man, daß ich des Herrn heiliges Wort

auf alle Verhaͤltniſſe des Lebens anwende, ich ſoll dieſer zahlreichen Chriſtengemeinde, ich, ich allein, die reichen Menuun⸗ gen des Chriſtenthums vermitteln!O wie aͤngſtlich

dachte unſer Paſtor weiterwie aͤngfllich wird der Geiſtliche ſeinen Berufsgeſchaͤften leben muͤſſen, wenn ſo viel von ihm verlangt wird, wie ſorgfaͤltig wird er alle Obliegenheiten dieſes heiligen Amtes erfuͤllen, wie Alles vermeiden muͤſſen, was Miß⸗ trauen gegen ſeinen Pflichteifer, was ſeiner Gemeinde irgend einen Anſtoß gewaͤhren koͤnnte, auf daß er nicht Andern predige, und ſelbſt verwerflich ſei!Wie moͤchte ich Andre ermahnen, ihre Berufspflichten zu erfuͤllen, wenn ich je die meinigen ver⸗ nachlaͤſſigen und jemals vergeſſen wollte, daß der Geiſtüihe vor Allem ganz ſeinem heiligen Berufe leben muͤſſe, ehe er Andre ermahnen darf, das zu thun, wozu ſie berufen ſind?O Herr, rief der Prediger mit Inbrunſt,gieb Du mir Kraft, daß ich in dem ſteten Bewußtſein, Dein Wort zu predigen, Deines Wortes Diener zu ſein, ſtark ſei und tuͤchtig, denen vorzuſtehn, deren Hirt und Seelſorger ich ſein ſoll nach Deinem Willen.

Die Abendglocke erklang jetzt und unterbrach die taͤglichen Berufsgeſchaͤfte. Nicht blos der Pfarrer hatte ſein Wochenwerk vollendet; auch der Tageloͤhner zog mit der Axt auf dem Ruͤcken