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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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Die Mutter ſchlaͤft ſo ſanft, ſagte Thomas;gut, daß ſie Nichts von dem Streite gehoͤrt hat. Behutſam ergriff er die gefalteten Haͤnde; ſie waren kalt. Vater und Sohn fanden nur noch eine Leiche!

Beide ſchwiegen lange. Der alte Thomas weinte ſtill; aber ein duͤſtrer, bittrer Schmerz ſprach ſich in den zuſammen⸗ gebißnen Lippen des Sohnes aus.Wir haben einmal lauter Ungluͤck! murmelte er leiſeDie arme Mutter! Gut, daß ſie todt iſt! Die Schande der Eliſabeth haͤtte ſie doch in die Grube gebracht! Aber es muß keinen Gott im Himmel mehr geben, daß uns Alles contraͤr geht!

Geht, Ihr habt Eurer Schweſter Tod auf Eurem Ge⸗ wiſſen, ſagte der heraustretende Johann finſter zu dem alten Brenz, und draͤngte ihn faſt mit Gewalt fort von dem Kirch⸗ hofe, wie ein boͤſer Schatten hinter dem haſtig Davoneilenden herſchreitend.

Der Pfarrer war tief ergriffen. Wie hatte ihm doch eben erſt die Ruhe und Stille in der Natur, da oben und unten, ſo wohl gethan, und ach, wie viele ſchmerzliche Mißklaͤnge, aͤhn⸗ lich dem gehoͤrten, wie viele Unruhe, wie vieles Laͤrmen und Schreien, wie vieler Haß, und Groll, und Rache, und Verzweif⸗ lung in den Herzen ſeiner Gemeindeglieder waren ihm wohl noch verborgen?O, daß doch das Menſchenherz, dachte der Geiſtliche,auch ſo ſtill und ruhig, wie die Natur, unentweiht von ſuͤndlichen Leidenſchaften und thoͤrichten Wuͤnſchen, jeden Abend feiern koͤnnte! O, daß ich im Stande waͤre, Vielen mei⸗ ner lieben Kirchkinder, ach, Allen die verlorene Seelenruhe wiederzugeben, um den Sturm im Innern zu beſchwoͤren! O, daß doch Gottes Friede, auch durch mein Wort, immer mehr und mehr in Aller Hauͤſer, Aller Herzen moͤchte einziehen!

Der Pfarrer war wieder hinausgetreten an den Abhang des Huͤgels und ſchaute wehmuͤthig hinunter auf das Dorf und deſſen Hauͤſer und die lange Reihe der Bauernguͤter. Ruhig und friedlich ſtieg der Rauch aus den Eſſen in der klaren Abend⸗ luft in die Hoͤhe; ach und wie viele Unruhe und wie vieler Un⸗ friede war doch vielleicht in den Familien, in den Hauͤſern? Dort ſtand die Hausmutter mit unzufriednem Herzen vielleicht an dem Heerde, umgeben von den ſie plagenden Kindern, um das Abendbrod zu bereiten fuͤr das Geſinde; hier ſaß vielleicht ein altes Muͤtterchen vor dem maͤchtigen Kachelofen voll Reißig⸗