Da unterbrach ein lauter Wortwechſel beim Hauſe des Todtengraͤbers des Pfarrers Selbſtbetrachtungen.
„Ihr muͤßt aber aus dem Hauſe hinaus, heute noch!“ ſchrie eine kreiſchende Stimme.
Der Prediger horchte; er hatte die Stimme des alten Brenz erkannt, der jedenfalls mit dem Todtengraͤber uͤber das Ausziehen in Streit gerathen war; aber das Rauſchen der Lin⸗ denbauͤme verbarg ihm des Todtengraͤbers vermuthlich ent⸗ ſchuldigende Antwort; denn die erſte Stimme erhob ſich ſogleich wieder.
„Ach, was Bruder,“ lautete die harte Entgegnung des alten Brenz,„ich kann deßhalb nicht warten, bis Deine Alte ſtirbt. Ich bekomme das Kaufgeld nicht, wenn Ihr nicht raus ſeid. Soll ich etwa Euretwillen die Zinſen daran verlieren?“—
Abermals ſchien Thomas freundliche Vorſtellungen zu ma⸗ chen; er hatte vermuthlich auf den ſonſtigen Reichthum Bren⸗ zen's hingewieſen, denn heftiger noch entgegnete derſelbe:
„Gut, ja!—— ich bin ein reicher Mann; aber meine Soͤhne brauchen Geld, viel Geld. Meine Soͤhne ſollen reiche Leute werden,— ich will ſie gluͤcklich machen, ich muß ſie gluͤck⸗ lich machen. Gott ſoll mich——„
Der Pfarrer war naͤher getreten, er hoͤrte jetzt deutlich des alten Thomas bittende Stimme:„Lieber Brenz! Schwager! laß meine Frau nur noch Einen Tag hier, ſie wirds ja nicht laͤnger machen,— daß ſie hier ſterben kann. Laß ihr um Gotteswillen nur das kleine Eckchen dort in der Stube, daß ich
ihr dort die Augen zudruͤcken kann, wo ſie Deinem und ihrem Vater auch die Augen zugedruͤckt hat. Habe Barmherzigkeit,
ſie ſtirbt mir unter den Haͤnden—“ „Bittet Den nicht, Vater,“ unterbrach Johann, der
Sohn des alten Thomas, ſeinen Vater,„Er hat kein Herz
im Leibe. Kommt, wir tragen die Mutter im Bette fort.“
Ehe noch der herbeigekommene Pfarrer mit mildem Ernſte ein vermittelndes Geſpraͤch mit dem harten, erzuͤrnten Manne
beginnen konnte, waren die beiden Maͤnner ſchon ins Stuͤbchen hineingetreten. Die Abendſonne ſchien ſo freundlich durchs Fenſter herein und beleuchtete den Chriſtus an der Wand, und die Bibel auf dem Simſe, und das aͤrmliche Bett war mit pur⸗ purnem Lichte uͤbergoſſen.


