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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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mein erſtes, da ſehe ich gleich hinaus zum Fenſter, ob die liebe Kirche noch ſteht. Und wenn die Sonne heraus kommt und

das Kreuz oben auf dem Thurme ſo golden blitzt, und ich dann

wieder unten auf die kleinen Kreuze auf den Graͤbern ſehe, da

wird mirs ganz anders zu Muthe. Mir iſt's dann immer, als

wenn der liebe Heiland ſelber daſtuͤnde mit dem Kreuze, und zu

mir ſagte: Siehſt du, Thomas, damit habe ich dich erloͤſet, und

ich denke dann alle Mal an den ſchoͤnen Spruch, der dort

uͤberm Kirchhofthore ſteht: Chriſtus iſt der Erſtling gewor⸗

den unter denen die da ſchlafen. Und dann iſt mirs, als

waͤren wir ſchon alle wieder beiſammen, die dort in der Erde

liegen, und ich denke wieder daran, wie wir beim lieben Hei⸗ lande ein Mal alle wieder beiſammen ſein werden, der Herr Jeſus in der Mitte, und wir Chriſten alle mit einander um ihn herum, gerade wie die Kirche hier in der Mitte der Graͤber liegt.

4 Der redſelige Alte hatte den Geiſtlichen verlaſſen und der Pfarrer blickte ſinnend hin uͤber den Kirchhof, und uͤber die gruͤ⸗ nen Graͤber, und auf die Kirche, und der Friedhof ſelbſt erſchien ihm als ein ſchoͤnes, bezeichnendes Sinnbild jener himmliſchen Heimath, wo, wie hier die Lebenden und Todten ſich in und neben dem irdiſchen Gotteshauſe verſammeln, wo die Aufer⸗ ſtandenen in der neuen, himmliſchen Behauſung in naͤherer, innigerer Vereinigung mit dem himmliſchen Herrn, den Gott der Lebendigen und der Todten preiſen werden.

Der Geiſtliche blickte gedankenvoll nieder auf die Staͤtte, wo ihm von Gott ſein Wirkungskreis angewieſen war, daß er die Lebenden fuͤr den Himmel heilige und die Todten ſegne! Es ward ihm ſo heimathlich zu Muthe, wie einem Hausvater in dem Kreiſe der Seinen. Und war Er nicht der Seelſorger und Beichtvater aller dieſer, die hieher kamen, der Todten, wie der Lebenden, die als Weinende Troſt, als Irrende Rath, als Zweifelnde Zuverſicht, als Schwankende Kraft hier finden wollten? Dort lag ja das Schulhaus, dieſer Vorhof der Kirche,

in welches die noch unmuͤndigen Glieder ſeiner Gemeinde, Va⸗

ter und Sohn, ſeit Jahrhunderten, Tag aus Tag, ein gekom⸗ men waren, um zu hoͤren und zu lernen von dem, der der Weg, die Wahrheit und das Leben iſt, bis ſie der Pfarrer an ſeiner Hand, durch die kirchliche Weihe, in's Leben hinaus, und

in die Kirche hinein fuͤhrte, als nunmehrige Miteigenthuͤmer