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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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bens genußreichen Segen am deutlichſten und beſeligendſten in der Gemeinſchaft mit andern Chriſten, in den kirchlichen Ver⸗ ſammlungen. Der Gedanke, daß an demſelben Orte neben uns und um uns auch noch andere Herzen dieſelben erheben⸗ den Gedanken haben, dieſelben frommen Regungen des Ge⸗ muͤths empfinden, denſelben Gott verehren, denſelben Erloͤſer preiſen, denſelben Geiſt erflehen, fuͤr dieſelbe chriſtliche Tugend ſich begeiſtern, dieſelbe Suͤnde haſſenswuͤrdig finden; dieſes Bewußtſein der Gemeinſchaft hat eine wunderbare Kraft fuͤr den Einzelnen. Es iſt als wenn aller verſammelten Chriſten Glaubensinnigkeit, Aller Andacht, Aller Willenskraft in des Einzelnen Bruſt ſich vereinigen und lebendig werden wollte; der Einzelne lernt ſich fuͤhlen und betrachten als Glied des großen Leibes, der Kirche, deren Haupt iſt Chriſtus, und Sein heiliger Geiſt der Liebe, der Freude und des Friedens zieht leichter da ein, wo zwei oder drei verſammelt ſind in Sei⸗ nem Namen; denn da will Er ſelbſt mitten unter ihnen ſein!

Nach Beendigung der kirchlichen Feier hatte der Paſtor auch der Frau des Todtengraͤbers die letzte Wegzehrung gebracht, und auch hier war die heilige Abendmahlsfeier geendet. Dankend hatte ſie eben dem Pfarrer die Hand gereicht, welche jetzt ſchlaff auf das Bett wieder zuruͤck ſank.

Es iſt doch recht ſchoͤn auf der Erde, lieber Herr Pfar⸗ rer, ſagte Thomas, der den Paſtor heraus begleitet hatte. Das Sterben muͤßte recht ſchwer ſein, wenn man nicht wuͤßte, daß es droben noch viel ſchoͤner waͤre beim lieben Heiland. Ich werde meiner Alten wohl bald muͤſſen das Grab beſchicken, fuhr er wehmuͤthig fort.Sie hat das Plaͤtzchen dort ausge⸗ ſucht, dort neben ihrer ſeligen Mutter, darf ichs fuͤr ſie aufhe⸗ ben, Herr Paſtor? Wenn nur der liebe Gott meine Alte hier, in dem Hauſe noch, abrufen wollte; es klingt faſt ſuͤnd⸗ lich, aber ſoll ich ihr die letzten Lebensſtunden noch verbittern? Sie wiſſens wohl, Herr Paſtor, daß der alte Brenz das Haus vom ſeligen Ohm geerbt hat, und daß wir heute noch aus⸗ ziehen ſollen! Sehen Sie, ich gaͤbe was drum, wenn ich in dem Hauſe bleiben koͤnnte! Wir haben ſo lange Jahre hier neben der Kirche gewohnt, und mir gehts mit meinem Hauͤschen, wie der Schwalbe mit ihrem Neſte; ich habe auch an die Kirche gebaut, und ſollte ich weg von hier, ſo iſt mirs, als haͤtten die boͤſen Buben das Neſt zerſtoͤrt. Wenn ich fruͤh aufſtehe, da iſt's