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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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Ach, Vater, wir haben uns doch oftmals in unſerm Leben gegen den lieben Gott verſuͤndigt.

Beide ſchwiegen wieder.Mutter, begann hierauf der Alte,ich will Deinem Bruder nichts Schlechtes nachgeredet haben, man weiß ja nicht wie! Und wenn auch, wir wollen ihm vergeben, daß uns der liebe Gott auch vergiebt um Chriſti willen.

Die Kranke laͤchelte ihm freundlich zu und reichte ihm dankend die matte magre Hand.Vergeben und vergeſſen ſprach ſie leiſe,der Herr Chriſtus hat ja auch vergeben! Andaͤchtig ruhte ihr Blick lange auf dem Kruzifix, das in der Ecke des Todtengraͤberſtuͤbchens von einem Begraͤbniſſe bis zu dem andern lehnte. Wie oft hatte ſie dieß Kruzifix den Leichen auf dem letzten Wege vorantragen ſehen! Das Lied,Mir nach ſpricht Chriſtus, unſer Held, fiel ihr ein, ſie dachte daran, wie ſie ja ſich ſelbſt bald ſollte im Sarge dem Heiland nachtragen laſſen, und des Heilands Bild rief in ihr den Entſchluß, dem Herrn geiſtig nachzufolgen, recht lebendig hervor, und ihre Seele ward ſtille in dem Herrn. Die Augen fielen ihr zu, und ſie verſank in einen wohlthaͤtigen Schlaf, aus welchem ſie erſt das Lauten der Glocke weckte, welche, wie es im Dorfe Sitte war, Sonnabends die alten gebrechlichen Leute zu Beichte und Abend⸗ mahl in die Kirche rief.

Nuͤcke mir doch das Kiſſen zurecht, bat die Kranke ihren Mann,ſo ſo, daß ich auch die Kirche ſehen kann, und das Grab der ſeligen Eltern. Ach, Vater, wer doch auch mit in die Kirche gehen koͤnnte! Das letzte Mal, Vater, weißt Du, da habe ich's doch noch moͤglich gemacht. Es wurde mir freilich ſchwer, aber was man gerne thut

Sehnſuͤchtig blickte die Kranke durchs Fenſter hinaus ins Gruͤne auf den Kirchhof, uͤber welchen hier und da ein gebeug⸗ tes Muͤtterchen oder ein wankender Greis zur Kirche wandelte.

Die habens doch recht gut, ſeufzte die Kranke,ich muß hier allein liegen und das heilige Abendmahl alleine feiern!

Es iſt etwas ganz Eigenes um die Gemeinſchaft. Wie jeder gute Menſch nur im Vereine mit Andern ſich freuen kann, wie ihm einzeln jede Freude halb, jeder Schmerz doppelt groß i*ſt, wie bei des Lebens hoͤchſter Freude, wie bei dem tiefſten Schmerze ſich eine Seele, die, mitfreut und mitweint, ihm ein Beduͤrfniß iſt; alſo empfindet der Chriſt auch des religioſen Le⸗