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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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und dorthin unter dem Peitſchengeknalle der Hirtenbuben; dort fuͤtterte die Hausfrau die aus ihren Staͤllen in geſchaͤftiger Haſt hervorſtuͤrzenden Huͤhner und Gaͤnſez hier wurden die Pferde aus dem Stalle gezogen, und die Wagen geruͤſtet; dort bewegte ſich langſam das mit Kuͤhen beſpannte Fuhrwerk aufs Feld hinaus, um Kleefutter zu holen; hier aber ſaßen wieder die Maͤher und ſchaͤrften mit dem Hammer die Senſen, und dort gingen die Tageloͤhner mit dem Werkzeug auf dem Ruͤcken an ihre Arbeit. Dicker Rauch ſtieg aus der Eſſe der Schmiede unten am Berge, und bald toͤnte der Klang ſchwerer Haͤmmer herauf; der Stellmacher aber daneben ſuchte ſich aus den zahl⸗ reich aufgeſtellten Baumſtaͤmmen trocknes Holz fuͤr ſeine Ar⸗ beit. Ueberall Leben und Thaͤtigkeit, uͤberall arbeitſame Menſchen, die mit ihren Haͤnden ſchafften und arbeiteten in dem Berufe, wozu ſie berufen waren!

Nur in den Hauͤſern, die an der Kirche lagen, bliebs ſtill, als haͤtten die Bewohner derſelben keinen Beruf fuͤrs Leben. Es war Pfarre und Schule, in denen die Maͤnner wohn⸗ ten, die der Herr zu geiſtlicher Arbeit an den Geiſtern ihrer Ge⸗ meinde, zu geiſtlichen Waͤchtern uͤber ſein Volk berufen hatte. Und ihre Wohnungen lagen, Wachthauͤſern gleich, dort auf dem Huͤgel, dicht neben dem Gotteshauſe, wie zum Schutz und Schirm der Kirche erbaut, als ſollten ſie alle den drunten in Haus und Feld Arbeitenden warnend und mahnend zurufen, vor der Sorge fuͤr den ſterblichen Leib, die unſterbliche Seele nicht zu vergeſſen!

Da ertoͤnte eines Chorals einfache Weiſe aus den geoͤffne⸗ ten Fenſtern des Pfarrhauſes durch die vom Morgenwinde leiſe bewegten Blaͤtter, und man konnte deutlich die von einer Maͤn⸗ nerſtimme und mehreren Frauen geſungenen Worte unterſcheiden:

O treuer Hüter!

Brunnquell aller Güter

Ach, laß doch ferner über unſer Leben

Bei Tag und Nacht dein' Hut und Güte ſchweben! Lobet den Herren!

Hierauf ward es auch dort wieder ſtill. Der Pfarrer des Dorfes, der mit ſeiner Familie eben ſeine Morgenandacht ge⸗ feiert hatte, ging abermals an ſein Tagewerk, die Predigt und die Beichtrede fuͤr den morgenden Sonntag, an ſeine haupt⸗ ſaͤchlichſte, fuͤr die Gemeinde beſtimmte geiſtliche Wochenarbeit.