I.
Eine kleine Dorfkirche erglaͤnzte im Scheine der Morgen⸗ ſonne und blickte friedlich und freundlich durch das Laub der alten Linden, welche den ſtillen Friedhof umgaben, und die da⸗ neben ſtehenden Hauſer des Pfarrers und Schullehrers uͤber⸗ ſchatteten. Milde Luͤfte wehten um den ſpitzen Thurm mit dem goldnen Kreuze und die dicken Mauern des geweihten Heilig⸗ thums einer chriſtlichen Gemeinde; friſches Gras aber und bunte Bluͤmlein, luſtig emporgeſproßt von dem Alles belebenden Hauche des Herrn, ſchmuͤckten die Grabeshuͤgel, die rings um das Got⸗ teshaus ſich ſchaarten, wie die Heerde um den Hirten. Schon begannen an den Roſenſtoͤcken, womit liebende Haͤnde die Schlummerſtaͤtten der Todten geſchmuͤckt hatten, die Knospen aufzubrechen, und es war, als wenn dieſe rothen Kinder des Fruͤhlings der unter dem gruͤnen Raſen der Graͤber, unter den ſchwarzen Kreuzen und den weißen Leichenſteinen ſchlummern⸗ den todten Gemeinde drunten erzaͤhlen, wollten von des Fruͤh⸗ lings Wonneleben, von der Erde Herrlichkeit und des ewigen Gottes Guͤte. Still wars auf dem Saatfelde Gottes, ſtill und todt in der Kirche, durch deren duͤſtre Rauͤme die hellen Streif⸗ lichter der Morgenſonne blitzten; nur die Schwalben ſchwirrten in lauter Froͤhlichkeit um die Kirchthurmſpitze, nur die Bienen ſummten in den bluͤhenden Lindenbauͤmen, eine Grasmuͤcke ſang ihr Morgenlied im nahen Buſche, und aus dem Dorfe herauf, deſſen Hauſer in langen Reihen im Thale ſich hinzogen, toͤnten in abgerißnen Klaͤngen hie und da die Morgengeſaͤnge frommer Chriſten.—.
Jetzt wurde es im Dorfe drunten lebendig; knarrend oͤffne⸗ ten ſich die Thore der Bauernguͤter, und froͤhliche Heerden ſpran⸗ gen bloͤkend heraus und zogen in langen bunten Reihen hierhin
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