Teil eines Werkes 
7.-12. Bdchen (1851)
Entstehung
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gen, und beſitze eine Doſis Geduld, die für das Leben ausreichen wird. 4

Nun, da Du den liebenswürdigen Grund eingeſtehſt, weßhalb Du mich ärgern willſt, ſo fange ich an, zu glau⸗ ben, daß es wahr ſei..

Und Du würdeſt mir doch aus keinem andern Grund Glauben ſchenken? fragte Nathalie etwas ernſt.Du glaubſt nicht, ich könnte aus Vernunftsgründen geduldig ſein, wenn Du einmal ſtreng und anſpruchsvoll wäreſt; Du glaubſt nicht, ich koͤnnte Liebe vom Temperamente trennen, und während ich der einen traute, das andere leicht ertragen.

Würdeſt Du das thun, Petite?

Ja, Armand, das wurde ich; denn Du kannſt mir glauben, meine Liebe iſt nicht ſchwach und vergänglich. Ich weiß, daß Du ein Menſch biſt und menſchliche Schwä⸗ chen beſitzeſt; aber ich weiß auch, daß Du aufrichtig und wahr biſt; und wenn ich Dich innig liebe, ſo habe ich doch auch ebenſoviele Hochachtung vor Dir. Du brauchſt mich nicht ſo traurig anzuſehen; ich kann, ich will nicht zweifeln. Ich ſagte es bereits, meine Liebe ziſt keine ver⸗ gängliche Liebe; ſie wird nicht enden mit wenigen Jahren; ſie wird nicht durch Kummer und Tod überwunden; ſie iſt ebenſo ſehr ein Theil meines Weſens, als der unſterbliche Geiſt in mir; ſie wird gleich dieſem die Stürme und Prüfungen des Lebens überdauern und durch das dunkle Thor des Todes gehen, um ſich an dem Leben und Lichte eines reineren Tages zu erfreuen.

Sie ſchwieg Thränen floſſen aus ihren dunkeln Augen und ihre lächelnden und geöffneten Lippen zitterten leicht. Er gab ihr keine Antwort, aber er beugte ſich über ſie, legte ſeine Hand ſchmeichelnd auf das glänzend wogende Haar und zog das gebeugte und eegebene Haupt naher an ſich.

Wir laſſen ſie ſo. Das Stiftsfräulein war in ihre tiefſte.

nachdenklichſte Stimmung verſunken; eine Stimmung, die jeden Abend tiefer wurde und länger dauerte; das Kamin⸗