Teil eines Werkes 
7.-12. Bdchen (1851)
Entstehung
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feuer brannte hell; es beleuchtete das Zimmer mit war⸗ mer Glut; das Zwielicht war in Dunkel übergegangen; dieſer rothe Vorhang iſt noch nicht zugezogen; durch die klaren Fenſterſcheiben ſieht man die dunkeln Bäume der Alllee; ſie ſteigen zum tiefſten Azur des Nachthimmels auf; über alles ſcheint der Mond groß,⸗ voll und hell; ſein ſanftes, klares Licht gleitet herein durch das Fenſter und fällt auf den Boden: im Widerſpiele gegen das rothe Ka⸗ minfeuer, ohne ſich mit ihm zu vermiſchen.

Und kein anderes Licht ſcheint für den Schlaf des Alters oder die Träume der Liebe und Jugend noͤthig. Aber ach! nur eine Perſon träumt noch: Herr von Sain⸗ ville ſieht mit wahrer und ernſter Zärtlichkeit auf ſeine Frau herab; er liebt ſie und glaubt an ihre Liebe; aber er hat nicht vergebens gelebt; er kennt das Trügeriſche der Hoffaung, die Schwachheit des Menſchen; die ver⸗ gängliche Natur der tiefſten Gefühle; die Friſche der Hoff⸗ nungen Nathaliens, die Innigkeit ihres Glaubens können für ihn nicht exiſtiren, und doch iſt er glücklich, denn er kann ſagen: jeder Tag hat ſeine Plage; und während die heitere Gegenwart über ihm ſtrahlt, wird er ſie nicht durch deu Gebanken an den kommenden Tag verdüſtern. . Sie aber, die jetzt zu ſeinen Füßen ſitzt, mit der reinen Stirne, dem hoffnungsvollen Lächeln und dem Blicke, der

ſolche Zweifel, ſolche Beſorgniſſe? Nein. Hoffnung mit ſo ſchoͤnen Augen

hatte kein feierlicheres Ausſehen, als der arme Dichter, der aus Kummer ſtarb, ſie zuerſt erblickte. Und Hoffnung umſchwebt ſie noch; ihr Blick iſt nicht durch Thränen ge⸗ trübt; ihr Leuchtthurm nicht durch die ſchweren Schatten der Nacht umdunkelt. Nathalie iſt jung, kaum hat ſie zwanzig Sommer geſehen; ſie hat gelitten, aber ſie vergißt ihren vergangenen Kummer, um der Zukunft ins Auge

die glänzendſten Bilder zu erſchauen ſcheint hegt ſie

wie das Licht in dem Spiegel vor ihr. Sie hat gehört,

blicken; ſie iſt ſchön und heiter: ſie ſteht ſie ſo klar,