Teil eines Werkes 
7.-12. Bdchen (1851)
Entstehung
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leſe nie ſolche Sachen. Die geiſtige Nahrung bedarf im⸗ mer eines ſolchen Deſſertes.

Und das Deſſert iſt natürlich für ein Mädchen von achtzehn Jahren! bemerkte Nathalie in lebhaftem und gereiztem Tone.

Nun, es ſteht Ihnen alles zu Dienſten, was Sie wünſchen. Haben Sie eine beſondere Vorliebe für Na⸗ tionalökonomie, oder intereſſiren Sie ſich für Agricultur?

Sind Sie eine Freundin von Statiſtik? Bitte, wählen

Sie. Ich bedaure, keine intereſſanten Werke über Geſchichte oder unterhaltende Reiſeſchriften zu beſitzen; aber ich habe wenig Vertrauen auf Geſchichtserzählung, und bin zu viel gereiſt, um mich für die Reiſeerlebniſſe Anderer zu intereſ⸗ ſiren. Meine Bücher ſind deßhalb entweder zu leicht oder zu ſchwer. Was ziehen Sie vor?

Was Ihnen beliebt, mein Herr. Eine intereſſante Abhandlung über das Manufacturſyſtem; oder über die beſte Art der Viehmaſtung; oder über den neueſten Plan, das Land in kleinen Wirthſchaften zu bebauen; kurz, irgend etwas, was in dieſer Art belehrend, erhebend, der unterhaltend iſt.

Sie find ſehr empfindlich. Ernſtlich gefragt, lieben Sie La Rochefaucauld ſo ſehr 2 3

Nathalie zuckte die Schultern:ſie wiſſe es nicht, ſie habe nicht viel geleſen.

Wünſchten Sie mehr zu leſen?

Sie ſchien voͤllig gleichgültig gegen die Sache.

Ich freue mich, das zu hoͤren. Dies Buch, ſo wahr es in mancherlei Hinſicht, iſt wiederum in anderer Rück⸗

ſicht ſehr falſch und müßte Ihnen die Friſche des Geiſtes

rauben. Hätte ich Sie einfach davor gewarnt, ſo wären Sie die Nächte aufgeblieben, bis Sie es ganz zu Ende geleſen. Ich nahm es deßhalb in Verwahrung; denn ich weiß, daß Sie einen zu kühnen und forſchenden Geiſt ha⸗

ben, um ſich durch Kleinigkeiten abſchrecken zu laſſen;z

erinnern Sie ſich des Abenteuers mit den Beeren?

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