der ein ſo heiteres und liebliches Weſen beſitzen wird,“ hätte ſie nicht der Gedanke an ihre Warnungen vor der Ehe daran gehindert. 4„Und das Buch, Marraine?“ ſagte Nathalie ſchmei⸗ elnd. u„Ja, ich habe danach geſehen und es liegt hier auf dem Tiſche. Es war einſt Armands Exemplar und er liebte es ſehr, wie ich Ihnen ſchon früher ſagte: aber ich kann aicht verſtehen, warum Sie nach ſo trockener Lectüre drän⸗ gen moͤgen.“ „ Ich wünſchte ſchon lange, es zu leſen,“ ſagte Na⸗ thalie, ein kleines Buch in Duodez raſch in ihre Taſche ſteckend... „Nun, Sie mögen es haben; eine Novelle würde ich Ihnen nicht geliehen haben; aber Maximen moͤgen Ihnen nicht ſchaden.“ Das Geſicht des Stiftsfräuleins umwölkte ſich, als ſie ſah, daß das junge Mädchen gehen wolle; aber es 8 that ihr wohl, als Nathalie ſie küßte und Abends wieder zu kommen verſprach.
Der Morgen war lieblich. Der Garten ſchien grün und ſchoͤn und als Nathalie leicht anf den Sandwegen hinging überdachte ſie in ihrem Herzen, ob Tante Rade⸗ gonde wohl wahr geſprochen: ob die Welt wirklich alt geworden? Ihr war ſie nie ſo friſch und jung erſchienen, als an dieſem Frühlingsmorgen. Nachdem ſie lange in Garten und Park umhergewandert, kam ſie endlich zu dem Treibhaus. Es war Herrn von Sainvilles Lieblingsauf⸗ enthalt, aber die Stunde ſeines Spaziergangs war bereits vorüber; Nathalie blieb, ohne zu fürchten, ihm zu be⸗ gegnen.. Nachdem ſie die friſchen und duftigen Blumen be⸗ wundert hatte, welche in dieſem engen Raume vereinigt
wmaren, ſetzte ſie ſich auf die niedere Steinbank, welche die
Brüſtung des Bogenfenſters bildete. Das Fenſter war halb geoͤffnet, um die Wärme des


