Teil eines Werkes 
1.-6. Bdchen (1851)
Entstehung
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Ich glaube, ich habe mein Buch vergeſſen, ſagte eine ruhige Stimme.

Nathalie ſah erſchrocken auf: es war Herr von Sain⸗ ville, welcher ungehört eingetreten war, und jetzt bei dem Tiſche ſtand, auf welchem das Buch lag, das er geleſen. Er nahm es, öffnete es und bezeichnete einige Stellen mit dem Bleiſtifte. Der Ernſt, der in ſeiner Haltung lag, während er ganz in ſeine Beſchäftigung vertieft da⸗ ſtand, ohne daß er ihr einen Blick gegönnt, gab Natha⸗ thalien ihre Haltung wieder. Endlich ſchloß er das Buch und wandte ſich von dem Tiſche weg, war aber kaum ein paar Schritte gegangen, als er wieder zurückkam und ſagte:

Mademoiſelle Montolieu, ich habe Sie um eine Gefälligkeit zu bitten.

Nathalie blickte auf.

Eine Gefälligkeit, mein Herr?

Ja, eine Gefalligkeit; aber Sie müſſen mir die Gewährung meiner Bitte zum Voraus zuſichern.

Es bedarf deſſen nicht, mein Herr, antwortete ſie ceremoniell;es müßte ganz außerhalb meiner Macht liegen, wenn ich es Ihnen nicht gewähren ſollte.

Nun denn, ſagte er, ſcheinbar ohne auf ihre zurück⸗ haltende Art zu achten,verſprechen Sie mir, daß Sie nicht mehr ſo einſam in dieſem Zimmer bleiben wollen, wie Sie es in der letzten Zeit gethan. Ich habe mit Bedauern die Veränderung in Ihrem Ausſehen bemerkt; Sie ſind jetzt gewohnlich blaß, was nicht Ihre natürliche Farbe iſt; Sie ſind heute Abend ſogar außerordentlich blaß. Sorgen Sie mehr für Ihre Geſundheit; in Ihrem Alter werden oft unbewußt die Samen künftiger Krank⸗ heiten ausgeſtreut und Geſundheit, Anmuth und Jugend⸗ blüte ſind für immer dahin.

Aber ich verſichere Sie, mein Herr, antwortete Nathalie zögernd, daß ich nicht krank bin.

Nein, Sie find es nicht; ich weiß es: aber Sie