Teil eines Werkes 
1.-6. Bdchen (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

14

drückte er ihr augenblicklich ſeine Theilnahme an ihrem Schmerz aus, den ſie wohl bei der Trennung von ihren geliebten Schülerinnen fühle. Mademoiſelle Dantin ſchüt⸗ telte den Kopf.

Als ob ich mißz um die kleinen Coquetten kümmerte, ſagte ſie beinahe verächtlich.

Der Chevalier blickte ſie erſtaunt an.Coquetten? es gab keine Coquetten in ſeinem Glaubensbekenntniß.

Ein ganzes Sortiment frühreifer Coquetten! fuhr ſie fort.

O, Madame, rief er, ſeine Hände flehentlich er⸗ hebend.

Und hinterliſtige Zieraffen, wie alle Mädchen, fuhr e fort.

8 Der Chevalier war beſtürzt. Er ſuchte höflich zu demonſtriren und ſie daran zu erinnern,daß wenn die Frauen auch in jedem Alter zarte Blumen ſeien, ſie in ihrer Jugend doch ſchwache, ſehr ſchwache Roſenknoſpen genannt werden müßten.

Nun denn, eine dieſer Roſenknoſpen ſoll gebrochen werden, verſetzte Mademoiſelle Dantin, ſo finſter und kalt drein blickend, als ein winterlicher Froſt.

Sie läutete, während ſie ſprach und Marianne erſchien augenblicklich.

Wird Mademoiſelle Nathalie kommen oder nicht? fragte die Vorſteherin.

Ja, Madame, ſie ſagt, ſie werde ſogleich kommen.

Bitte, wo fandeſt du ſie?

Das Mädchen zögerte.

Im Garten, leſend, antwortete ſie endlich.

Mademoiſelle Dantin erhob ſich.

Chevalier, ſagte ſie feierlich,ich habe meine Pflicht zu erfüllen, einen Akt der Gerechtigkeit und Autorität zu vollziehen. Ich muß allein ſein.

Der Chevalier erhob ſich, ſah bange um ſich, zog ſich jedoch, ohne weiter zu fragen, auf den Fußſpitzen zurück.