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treuer Ritter der Damen, wie der Chevalier Théodore de Méranville-Louville.
Nie gab es ein Nonnenkloſter ohne einen Rathgeber in mannlicher Geſtalt, und was ein Beichtvater für eine Aebtiſſin und ihre edle Schweſterſchaft ſein mochte, war der Chevalier für Mademoiſelle Dantin und ihre ſchönen Zoͤglinge. Er war der einzige Patron ſeines Geſchlechtes in dem Inſtitute, denn das ſaliſche Geſetz galt noch immer in Bezug auf den Tanzunterricht. Dieſem Geſetz hatte ſich Mademoiſelle Dantin, die, wenn ſie gekonnt, das männliche Geſchlecht aus Woͤrterbuch und Grammatik aus⸗ gerottet, mit großem Widerwillen unterworfen. Aber das edle Blut des Chevaliers, der obwohl von einer verarmten Familie, ein zuverläſſiges Recht auf den edlen Namen in ſich trug, den er führte, und ſein Titel als Ritter der Ehren⸗ legion, den er für die Rettung eines Ertrinkenden erhalten, den jedoch manche für eine Belohnung ſeiner Erfindung eines neuen Pas, des ſogenannten Sainville⸗Pas, hielten, ein Gerücht, das er begünſtigte— vor allem aber ſeine ritterliche Ergebenheit gegen das weibliche Geſchlecht, hatte die Antipathie bekämpft und das hartnäckige Herz der Vorſteherin beſiegt. Die Frau war dem galanten kleinen Ritter als Frau heilig; er hegte eine platoniſche und eine univerſale Neigung zu dem ganzen Geſchlechte, und verehrte den Unterrock in ſeiner früheſten und ſpäteſten Periode: er glaubte weder an kleine Mädchen noch an alte Frauen; er nahm ſeinen Hut ab vor Mädchen von ſechs und kokettirte mit Damen von ſechszig Jahren und that beides mit gleicher Grazie. Höflich und freundlich gegen alle, die er„die Engel der Erde“ hieß, war der Che⸗ valier gegen ſein eigenes Geſchlecht ernſt und ſogar etwas ſtolz.
Als er den Sitz eingenommen„ welchen Mademoiſelle Dantin ihm herablaſſend angewieſen, bemerkte der Cheva⸗ lier alsbald den finſteren Ausdruck der Züge der ſchönen Vorſteherin. In einer kurzen, wohlgeſetzten Anſprache


