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das Licht hinweggeflohen zu ſein ſcheint. Wir fprachen einen Augenblick, aber unwillkürlich verſanken wir bald in Schweigen. Was wir ſagten, erinnere ich mich nicht; aber ich erinnere mich noch, wie feierlich ſchön der Abend war; wie der ruhige Mond hinter dem Hauſe aufſtieg und aus ſeiner einſamen Höhe auf uns herabſah; wie der Himmel ſich mit Sternen überzog, wie die Pinien ſich unter dem Hauche der Seeluft an dem Ende des Gartens beugten; wie die Wogen ſich mit ſanftem— für das Ohr ſo wohlthuendem Geräuſche am Fuße des Felſens brachen, und wie ich ſo neben Cornelius ſitzend fühlte, ich ſei nicht mehr die arme Waiſe, ſondern ein glückliches und geliebtes Weib; nicht mehr ein Gegenſtand des Mitleids und des Kummers, ſondern eine ſtolze Begleiterin durch's Leben und das erkorene Weib ſeines Herzens. 3
Stille Häuslichkeit! Reich der Frau, heiteres Schutz⸗ dach ihrer Jugend, ſüßes Beſitzthum ihres Lebens!
Ich darf ſagen, daß du mir deine reichſten und tiefſten Freuden vergönnt. 4 Ehe wir Leigh verließen, beſuchten wir meinen Groß⸗ vater, der uns freundlich aufnahm und Cornelius bat, liebevoll gegen mich zu ſein. Wir ſind nun ſeit drei
Jahren verheirathet. Er erklärt, mich noch mehr zu
lieben, als am erſten Tage, und ich glaube es. Kate ſagt„Unſinn!“ aber ich weiß es, ſie ſieht es gerne, daß wir einander ſo lieb haben. Auch ſie iſt glücklich; denn obgleich ſie zugeſteht, daß Cornelius noch nicht die Stel⸗ lung einnimmt, die er verdient, ſo verſichert fie mich doch, da er als ächter Künſtler allgemein anerkannt ſei,


