Teil eines Werkes 
7.-11. Bdchen (1853)
Entstehung
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Verſuchung und Sündenfall, das Herz voll inniger Zärt⸗ lichkeit, ihre Seele voll Anbetung des Allmächtigen, leben und weben. 4

Nie hatte ich ein tieferes religiöſes Gefühl gehabt, nie war Gott in meinem Herzen lebendiger geweſen, als in jenem Augenblicke, da ich neben Cornelius ſaß, wäh⸗ rend meine Hand in der ſeinen ruhte und meine Augen wie die ſeinen den prachtvollen und ſtillen Sonnennnter⸗ gang betrachteten. Als die glänzende Scheibe in die lange Linie der kühlen See tauchte, und dann raſch hinab ſank, und endlich in der tiefen Woge verſchwand; als die dunklen Wolken am Himmel hinzogen und das ſchöne Schauſpiel ſich in dem purpurnen Schatten der Nacht verlor, da fühlte ich, daß wenn auch die irdiſche Sonte unterging, in mir der Friede und die Heiterkeit einer ewigen Morgendämmerung lebte. Als die kalte See⸗ luft an der Küſte hinzuſtreichen begann, ſtanden wir auf und gingen durch den grünen Garten nach dem Hauſe zurück. Er blieb vor den ſteinernen Treppen ſtehen und ſagte:

Hier war es, wo ich Dich vor acht Jahrend liegend fand: erinnerſt Du Dich noch, Daiſy?

Ja, Cornelius, ich war ſehr unglücklich und ver⸗ laſſen, als Du zu mir kamſt und Dich neben mich ſetzteſt, mich in Deine Arme nahmſt, mich küßteſt und tröſteteſt.. 3

Gott ſegne Dich, daß Du deſſen nach ſo langer Zeit nicht vergeſſen.

Als ob ich das vergeſſen könnte? Cornelius, ich glaube nicht, daß wir ſeit jener Zeit auf dieſen ſteiner⸗ nen Treppen ſaßen; laß es uns jetzt thun und uns von Allem ſprechen, was ſeit damals geſchehen.

Wir thaten es. Es war die reine Zwielichtſtunde,

wo die Erde und Alles, was ſie trägt, dunkel und ſchla⸗

fend unter einem weiten klaren Himmel liegt, von dem Daiſy Burns. II.