Teil eines Werkes 
7.-11. Bdchen (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

283

Midge, warun ſitzeſt Du nicht wie gewöhnlich bei ihm? Schämſt Du Dich nicht?

Schämen! O nein! Das Glück braucht ſich nicht zu ſchämen; und Gott allein weiß, wie glücklich ich mich fühlte, als ich bei dem ſaß, den ich liebte, und der gegenüber, die ich beinahe nicht minder liebte. Ich weiß nicht, wie ich, noch wie Cornelius ausſah; denn ich blickte ihn nicht an; aber ich weiß, daß Kate ſtrahlte; jedesmal, ſo oft ihre ſchönen Augen auf uns ruhten, leuchteten ſie wie Diamanten, und es rührte mich im Innerſten meines Herzens, die edle, uneigennützige Freude zu ſehen, die ſich auf ihrem ſchönen Geſichte malte.

Wir waren kaum allein, als Miß O'Reilly nach ihrer Gewohnheit, einen Gedanken, mit dem ſie ſich beſchäftigt hatte, im lauten Geſpräche fortzuſetzen, in beſtimmtem Tone ſagte: 8

Ich bin ſehr vergnügt darüber.

Biſt Du's, Kate? verſetzte ich und ſchlang meinen Arm um ihren Hals, indem ich ſie küple.

Ja, Du kleines falſches Ding; denn er iſt ſehr verliebt in Dich, und ich glaube, Du liebſt ihn von ganzem Herzen, obgleich es ſo lange dauerte, bis Du das endlich entdeckt. Was würdeſt Du ohne mich ge⸗ than haben?

Ich weiß nicht, Kate, aber wie konnteſt Du daran denken, ihn gehen zu laſſen?

Ach, er hat mich in dieſem Punkte ſehr getäuſcht; ich ließ mir nichts davon träumen, bis die Sache ganz entſchieden war. Es nützte nichts, als ich ihm ſagte, daß wenn Du nur wüßteſt, er liebe Dich, Du ihn gerne nähmeſt, wie es im Ganzen bei jedem Mädchen der Fall iſt. Er ſagte, Du liebeſt ihn nur wie eine Schweſter, und wollte ſich deßhalb auf und davon machen. Ich dachte, ich würde, wenn er fort ſei, leicht herausbringen, wie Du ihn liebſt, aber auch dieſe Mühe wurde mir erſpart. 3