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Daiſy! biſt Du auch gewiß, daß Du mich innig genug liebſt, um mich zu heirathen?“
„Glaube nicht, daß wenn ich ſo etwas thue, es aus Liebe geſchieht, Cornelius.“
„Weßhalb denn?“
„Nun, um Dich zu hindern, Jemand anders zu heirathen.“
Es ſchien ihm immer noch unbehaglich zu Muthe zu ſein, und doch hätte er mit ſich ins Klare kommen können, denn wenn es auch bisweilen ſehr ſchwer wird, zu wiſſen, wo Liebe iſt, iſt es doch ungemein leicht, zu wiſſen, wo keine Liebe iſt.
„Was willſt Du?“ fragte ich etwas ungeduldig. „So iſt es die Liebe, die Ehre, der Gehorſam, die Dich beunruhigen? Nun, ich habe Dich mein ganzes Leben geliebt; ich ehre Dich mehr als irgend ein le⸗ bendes Weſen; und was den Gehorſam betrifft, ich könnte Dir all' mein Leben lang gehorchen, Cornelius.“
„Willſt Du eine Griſeldis werden?“ ſagte er.„Was bringt Dir ſolche Gedanken in den Kopf?“
„Die Erinnerung an eine Zeit———
„Ich glaube, Du möchteſt wieder zum Kinde wer⸗ den,“ unterbrach er mich etwas gereizt,„ſtatt meine Frage zu beantworten, welche—“
„Deine Frau betraf,“ unterbrach ich ihn nun;„was iſt mit ihr? Sie ſollte ein ſtolzes Weib ſein und es iſt ihre eigene Schuld, wenn ſie nicht glücklich— ja, ſehr glücklich wird.“
Er glättete mein Haar und lächelte wohlgefällig.
„Ich hoffe es,“ ſagte er.„Und doch weißt Du nicht, was ich für ſie thun will, Daiſy. Ich werde Bilder für ſie malen, die alle Sonette, welche Petrarca je ſeiner Laura ſang— aus dem Felde ſchlagen ſollen. Ich will Ruhm und Gold für ſie erwerben: ich will ſie ſo ſchön ſchmücken, wie eine Königin, bis meine Feld⸗ blume alle Gartenblumen überſtrahlt. Und vor allem


