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ihr Lied kein Ende nehmen könnte. Aber obgleich ich wußte, daß er ſo nahe war, klang mir doch der Ge⸗ ſang, als käme er aus den Tiefen eines traumhaften fernen Waldes. Unſer Garten erſchien mir nie ſo friſch, ſo ſchön, oder ſo ſüß duftend, als jetzt, da der Schauer aufgehört. Die ſanften und grauen Regenwolken hatten ſich mit den blauen Dämpfen der höheren Luftſchichten vereinigt; der warme Sonnenſchein mäßigte die Kühle der Luft, das grüne Gras war weiß und ſchwer von dem Thau der Nacht und friſch von dem Regen des Morgens; der naſſe Sand glänzte, die dunkeln Stämme trieften, das braune Moos hing ſich feſter an die alte Sonnenuhr, die friſche Erde ſtrömte eine warme Luft aus; Wegerich, Levkoje, Ginſter und Jasmin dufteten die feinſten Wohlgerüche aus. Rhododendrons, durch den Sturm der letzten Nacht niedergebengt, zogen an der Erde ihre prachtvollen Blumen hin; während ge⸗ fleckter Fingerhut, mit Thautropfen an jeder Blüthe, noch ſtolz und ungebeugt daſtand. Wir gingen weiter. Plötzlich blieb Cornelius ſtehen und ſprach zum erſten Male. „Daiſy,“ ſagte er ernſt.„Du biſt doch ganz ge⸗ wiß, nicht wahr? „Sieh dieſe Blume an,“ lautete meine Antwort. Es war eine ſcharlachrothe Pfingſtroſe, ſchwer vom Regen. Ich bückte ſie leicht; aus ihren zarten Blättern, die noch kein Hauch berührt zu haben ſchien, ergoß ſich ein glänzender Schauer flüſſigen Thaues. „Was iſt mit der Blume, Daiſy?“ „Es iſt ein Pfingſtroſe.“ „Nun ja. „Du kannſt ſie nicht hindern, es zu ſein, Pfingſt⸗ roſen bleiben Pfingſtroſen.“ „Wer wird ihnen ihr Recht ſtreitig machen? und was haben Pfingſtroſen mit unſerem Geſpräche zu thun, als daß Du jetzt große Aehnlichkeit mit ihnen haſt? O


