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Freundes und die triumphirende Liebe des Geliebten un⸗ zweideutig miſchten, und ich wußte, daß kein anderes Weſen— ſelbſt nicht ſeine Schweſter— den Platz an⸗
ſprechen und ausfüllen konnten, wo mein Herz ſeine
Heimath gefunden, und daß, wie ich liebte, ſo wieder geliebt wurde— da fühlte ich auch, was ich dem Schickſal und dem Sieg abgerungen, daß ich über ver⸗ gangenen Kummer triumphirte und die Macht der Zeit verſchmähen konnte. Ich weinte vor Freude, wie ich oft vor Schmerz geweint, über das freundliche Herz, das meine verlaſſene Kindheit und meine unbeſchützte Jugend beſchirmt hatte.
„Thränen! ſagte er mit einem Lächeln des Vor⸗ wurfs; und doch wußte er wohl, es waren nicht Thrä⸗ nen des Kummers.
Sie werden für mich ſein, was der Regen für die Nacht war, Cornelius, ein erfriſchender Thau.“
Ich trat an das offene Fenſter; ich lehnte meine Stirne an das kalte eiſerne Gitter; die Morgenluft drang berein, rein, kühl, und duftend: ich ſchauerte
leicht. Cornelius, der mir gefolgt war, ſah dieß und
wollte das Fenſter ſchließen.
Thue es nicht,“ ſagte ich;„dieſe kühle friſche Luft iſt angenehm. Und dann ſehe ich gerne die Sonne auf⸗ gehen die Dich fern auf Deiner Reiſe zu finden glaubte, und Dich nun hier ſteht. Wie ſchön nimmt ſich dabei unſer kleiner Garten aus!“
„So komm einen Augenblick heraus.“ ¹. Er nahm meinen Arm, ich ließ es geſcheben. Wir gingen in den Garten hinab und ſchritten durch den en⸗ gen Sandpfad ohne ein Wort zu äußern. Ein leichter Regen rieſelte hernieder; wir traten unter die alten Papvelbäume, ſie boten uns hinlänglichen Schutz. Die Sonne ſchien durch die leuchtenden Tropfen und wäh rend der friſche Regen herabſtrömte, ſangen die Vögel über und unter dem Dache der belaubten Aeſte, als ob


