278
mein ſicherer Wächter, mein getreuer Freund, mein er⸗ gebener Liebhaber! Als ich an all dies dachte und ihn noch immer anſah, wurde ſein ſchönes Geſicht trüb vor Thränen.
„Ich will ihm Alles ſagen,“ dachte ich;„ich will offenherzig und gut ſein, ihm treulich ſagen, wie glühend ich ihn liebe.“ Dieſe Worte drangen bis zu meinen Lippen, erſtarben jedoch auf dieſer Schwelle. Iſt die Sprache in welcher das Weib ſolche Bekenntniſſe äußert, ſchon erfunden? O! Liebe und Stolz ihr Ty⸗ rannen ihres Herzens, wie heftig war euer Kampf mit dem meinen!
Er beugte ſich mit ſeltſam gequälter Angſt in ſei⸗ nem Geſichte zu mir herab. Ich entzog mich ſeinem Blicke. Halb drückte er mich näher an ſich, halb drängte er mich zurück; ſeine Hand ſuchte die meine und ſtieß ſie wieder von ſich. Er ſah meine Augen überſtrömen. „89 Daiſy, Daiſy! rief er,„was ſoll dies be⸗ deuten?“
„Abne,“ lautete meine unwillkürliche Antwort.
3„Scherze nicht mit mir,“ ſagte er in dem Ton der innigſten Bitte— thue das nicht!“ 1„Mit Dir ſcherzen! könnte ich das, Cornelius?“
„So beweiſ' es.“
Er bückte ſich und ich ſah zu ihm auf, einen Au⸗ genblick berührten meine Lippen ſeine Wangen, während die ſeinen auf meiner Stirne ruhten. Manchmal früher hatte mich Cornelins geküßt; aber dieß war die erſte Umarmung einer gegenſeitigen glühenden Liebe, und doch, Gott weiß es, wie, ach! viel zu heilig und rein, um mein Gemüth in Aufruhr zu verſetzen. Und ſo war Alles geſagt,— Alles verſtanden— ohne ein Wort. Als ich fühlte, daß der ganze unbewußte Traum meines Lebens erfüllt, daß ich ihm Alles war, was er mir ſo lange geweſen, als ich in ſein Geſicht ſah, ſeinem Blicke begegnete, in dem ſich die Zuneigung des geprüften


