Teil eines Werkes 
7.-11. Bdchen (1853)
Entstehung
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feln; ich kann keines von beiden thun, denn ich ver⸗ ſichere Dich, Daiſy, daß Du immer noch ein Räthſel und ein Geheimniß biſt, und daß Cornelius OReilly weder ſagen kann, ob Du ihn liebſt, noch, ob Du ihn nicht liebſt.

Cornelius hatte dieſes Alles ohne Unterbrechung und mit dem Ungeſtüm der Leidenſchaft geſprochen, ſich nicht bei einem einzelnen Wort verweilt, aber durch den beredten Wechſel von Blick, Ton und Accent den Ge⸗ danken nuancirt. Ich hatte ihn mit tobendem Buſen und glühender Stirne angehört. Zum erſten Mal war die Sprache der Liebe au mich gerichtet worden und die Stimme, welche ſprach, war mir theuer. Ich konnte nicht antworten, ich ſtand vor ihm, den Tönen lau⸗ ſchend, die verſtummt, die aber noch in meinem Innern nachklangen. Als er jedoch bekannte, daß er nicht wiſſe, ob ich ihn liebe oder nicht, ſtahl ſich ein unwillkürliches Lächeln über mein Geſicht, das er ſogleich bemerkte; ſein kühner und ſicherer Blick ſuchte den meinen, ben leidenſchaftlich geröthetes Geſicht beugte ſich zu mir

erab.

Sieh mich an, Daiſy, ſagte er lebhaft.

Ich blickte noch immer lächelnd auf, denn ich dachte bei mir ſelbſt,ich liebe ihn, aber er ſoll es jetzt nicht wiſſen. Als ich ihn jedoch ſo anſah, fühlte ich eine Veränderung in meinem Innern vorgehen. Ich erinnerte mich der Vergangenheit, ſeiner langen Güte, ſeiner ge⸗ duldigen hingebenden Liebe und ich konnte meine Augen nicht von ihm abwenden.

Nun, ſagte er verlegen,warum ſiehſt Du mich ſo ſeltſam an? mein Geſicht iſt Dir doch nichts Neues, Daiſy, Du hatteſt Zeit, es all die Jahre her kennen zu lernen.

Ach! Jahre waren ſeit unſerer erſten Begegnung ver⸗ floſſen und was war er mir nicht ſeit jener Zeit gewe⸗ ſen? Mein Adoptiv⸗Vater, mein freundlicher Beſchützer,