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Verwandtſchaft erkundigt und Dir Liebe eingeflößt haben, Daiſy, ſo kalt Du auch jetzt biſt.“
„Ich bin nicht kalt, Cornelius.“
„Ach nein!“ verſetzte er etwas leidenſchaftlich,„und auch darin liegt ein Mißgriff. O Daiſy! ſei gnädig! gib Nichts, wenn Du nicht Alles geben kannſt. Sei ganz Eis und quäle mich nicht mit der ruhigen Gelaſ⸗ ſenheit, die nicht Kälte iſt. Weißt Du, wie oft Du mich glühend gemacht haſt, um Dich zu erinnern, daß wenn ich auch Dir Nichts war, Du mir doch Etwas ſein würdeſt; daß Du mir nach dem Stachel der Gleich⸗ gültigkeit und des Stolzes, nach einer weniger zärtli⸗ chen Vertraulichkeit, nach einer weniger gefährlichen Zärtlichkeit Sehnſucht in das Herz flößteſt? Weißt Du, daß wenn Deine Neigung zu ruhig für Liebe war⸗ ſie doch auch zu glühend für bloße Freundſchaft gewe⸗ ſen; daß ſie den gefährlichen Reiz der Leidenſchaft und Reinheit beſaß, einer Leidenſchaft, welche göttlich ge⸗ weſen, wenn ſie hätte rein ſein können, einer Reinheit, welche unwiderſtehlich anziehend geweſen, wenn ſie Gluth gehabt. Du haſt mich uͤber meine Kräfte gequält, und wenn ich die Hoffnung aufgab, ſo ſagteſt und thateſt Du plötzlich die freundlichſten Dinge, die ein Mädchen je gethan und geſagt. Du haſt mich verlaſſen, und biſt zu mir zurückgekehrt, haſt mich mit der unbefange⸗ nen Zutraulichkeit einer Schweſter umarmt, mit der Zärtlichkeit einer Geliebten zu mir geſprochen, mich über alle menſchlichen Begriffe getäuſcht. Aber warum ſpreche ich, als ob dies Alles vorüber wäre? Daiſy, Du tänſcheſt mich noch immer. Haſt Du mich nicht noch heute Abend ſagen hören, wie warm ich Dich liebe, und haſt Du mich nicht dennoch gebeten, hier bei Dir zu bleiben? Ja, obgleich ich jetzt aus der ganzen Fülle meines Herzens ſpreche, gehſt Du nicht Hand in Hand mit mir und lau⸗ ſcheſt meinen Worten mit geduldiger ruhiger Anmuth 2 Ich wage nicht zu hoffen, ich will nicht ganz verzwei⸗
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