Teil eines Werkes 
7.-11. Bdchen (1853)
Entstehung
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fühle fortgeriſſen, hatte er mit ſo beftigem Ungeſtüm ge⸗ ſorochen, daß ihm keine Zeit zu einer Pauſe, mir keine Zeit zu einer Unterbrechung blieb. Endlich hielt er inne. Ich ſah ihn an; er hatte ſich mit fieberhafter Auf⸗ regung ſeiner Geduld, ſeiner Ruhe mit bitterer Entrüſt⸗ ung gerühmt; die leidenſchaftliche Erregtheit hatte ihre Spuren auf ſeiner leicht gefalteten Stirne, auf ſei⸗ nem blaſſen und bewegten Geſicht und in ſeinem Blicke zurückgelaſſen, der noch immer von ſchwach unterdrück⸗ tem Feuer glühte; aber es lag in ſeinen Vorwürfen den⸗ noch eine gewiſſe Milde, und ein geheimes Wohlwollen in ſeinem Zorn.

Du ſprichſt von einem Andern, ſagte ich ruhig, und vermuthlich exiſtirt gar kein Anderer. Vermuthlich bekümmert ſich gar Niemand um mich.

Niemand! wiederholte er, indem er näher trat, meine Hand in die ſeine nahm, und mit einer plötzlichen Veränderung ſeiner Stimmung und ſeines Tones fort⸗ fuhr:Niemand, Daiſy! O! Es wird immer Ei⸗ ner für Dich leben. Einer, der den ganzen Sommer⸗ nachmittag am rauſchenden Strome mit Dir ſaß, und dem Dein Geſicht aus dem klaren Waſſer entgegenlä⸗ chelte, bis es tief und für ewig in ſein Herz drang. Einer, der wachend und ſchlafend Dich ſeit jenem Tage geliebt hat und um den Du Dich, Daiſy, ſo gar Nichts kümmerſt.

Ich ſagte, ich kümmere mich um ihn.

Aber wie, wie? fragte er mit ungeduldigem Seufzer.Du verſtehſt darunter alte Zuneigung, Ge⸗ wohnheit, Freundſchaft; und ich, das weißt Du wohl, meine Nichts von alle dem. Ich liebe Dich, weil, Du magſt thun, was Du willſt, Du mich unwiderſtehlich anziehſt. Wenn ich Dich durch Zufall auf der Straße getroffen hätte, ich würde geſagt haben, dieſes Mädchen

und kein anderes will ich; ich würde Dir gefolgt ſein,

mich nach Deiner Wohnung, Deinem Namen, Deiner