„Bleiben und ruhig ſein!“ verſetzte er ungeſtüm, und gieng mit haſtigen Schritten im Zimmer auf und nieder ſo daß er immer wieder zu mir kam; warum war ich der ruhigſte der ruhigen Männer! Als einer nach dem andern und unter meinen eigenen Augen das einzige Mädchen zu gewinnen ſuchte, für das ich ſorgte, ſie, die ich als mein künftiges Weib, als das Geheim⸗ niß, das meinem Herzen anvertraut war, betrachtete; als ſie Hohn auf Hohn häuften, als ob ich nicht Fleiſch und Blut, wie ſie wären, als ob ich Dich nicht mehr Jahre gekannt, als ſie Wochen, und Dich geliebt, da ſie noch Nichts von Deiner Exiſtenz wußten— und ſie mir mit inſolenter Unbewußtheit geſtatteten, dieß Alles mit⸗ anzuſehen, unterdrückte ich da nicht den geheimen Zorn, der in jeder Fiber meines Weſens zitterte? Was wollteſt Du von mir verlangen? Sollte ich warten, um im Beſitz eines Glücklicheren als die übrigen zu ſehen, was mein Eigenthum und mein Glück hätte ſein können; ich, ein beraubter Vater, ein verlaſſener Freund, ein verrathener Liebhaber, ſoll mein Kind, meine Freundin und meine Geliebte die Beute eines Fremden werden ſehen! So glaubſt Du alſo,“ fügte er hinzu, nachdem er einen Augenblick inne gehalten und nun mit ruhigerer aber tieferer Entrüſtung ſprach,„Du glaubſt alſo, daß ich Dich von dem Geliebten Deiner Jugend getrennt, Dich vor meinen Freunden gehütet, über Dir gewacht, wie ein Geizhals über ſeinem Gelde, jeden Mann miß⸗ trauiſch betrachtet, der Dich anſah, bei dem Gedanken gezittert, jetzt ſoll ich beraubt werden,— wieder auf⸗ geathmet und aufgelebt bei der Antwort„noch nicht“— nur um zu bleiben und zu warten, bis ein Anderer kommt, und die Frucht all meiner vergeblichen Wach⸗ ſamkeit erntet.“
Seine Augen blitzten und ſeine Lippen zitterten vor eiferſüchtiger Aufregung. Von der Gewalt ſeiner Ge⸗
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