Teil eines Werkes 
7.-11. Bdchen (1853)
Entstehung
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es an dieſem ſo lange verſchobenen Tage unſerer Treu⸗ nung trägt.

So willſt Du alſo gehen? rief ich, in tiefer Seele geängſtigt.

Kannſt Du glauben, ich werde bleiben? verſetzte er heftig:O! Daiſy, bringe mich nicht dazu, Dich kalt und herzlos zu nennen, Dinge zu ſagen, die eine ganze Lebenszeit vergebens bereut und niemals auslöſcht. Weil ich ein ganzes Jahr der härteſten Selbſtverläugnung, die je einem Sterblichen auferlegt war, weil ich ein ganzes Jahr im Zaume gehaltener Blicke, erſtickter Worte, ge⸗ dämpfter Regungen, ein Jahr der fieberhafteſten Qual ertragen, damit nicht ein Wölkchen die Reinheit Deines Friedens trübe deßhalb, Daiſy, hältſt Du mein Herz und mein Blut für ſo kalt, daß Du wünſchen kannſt, ich ſoll bleiben, und ſiehſt nicht ein, daß zwiſchen voll⸗ kommener Vereinigung und gänzlicher Trennung kein Mittelding exiſtiren kann?

Sein Blick ſuchte den meinen mit wirrem Ausdruck, es lag etwas Fieberhaftes in ſeinem Ton und tiefer Schmerz in dem halben Lächeln, mit dem er ſprach.

1Aber warum ſo bald gehen? fragte ich in leiſem one.

Warum, Daiſy? Du fragſt warum? weil meine Ausdauer ihren äußerſten Grad erreicht hat, den ich nicht überſchreiten kann; weil das Uebrige ein Ab⸗ grund iſt, über den nicht einmal ein armes Brett führt; weil das Ding, das ich Monate lang verſchoben, jetzt oder nie gethan ſein muß: weil, ſo hart Deine Abwe⸗ ſenheit ſchon zu ertragen, Deine Gegenwart noch ſchmerz⸗ licher für mich wäre.

Er ſprach mit ſchlecht unterdrückter Gereiztheit, die ich nicht zu dämpfen wußte.

Cornelius! ſagte ich mit meinem liebevollſten Tone,wenn Du nur hier bleiben und ruhig ſein wollteſt?

Daiſy Burns. II. 18