Teil eines Werkes 
7.-11. Bdchen (1853)
Entstehung
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nicht gehofft? Als Dein Großvater ſo großes Vertrauen in meine Chre ſetzte und ſo wenig Glauben an meine edle Geſinnung hatte, lachte ich über ſeine Blindheit, denn ich dachte, das Alter hat ſein Blut gekühlt und ließ ihn die Sprache vergeſſen, die nicht in Worten be⸗ ſteht. Aber ach! ich fand, daß ich, der Dich ſo manche Dinge gelehrt, Dich darin nicht unterrichten konnte. Und wie ſollte ich auch? denn was für das Leichteſte gehal⸗ ten wird, Dich ſehen zu laſſen, was Du mir biſt, wollte mir nicht gelingen. Ich mochte thun, ſagen, handeln, wie ich wollte, die Heiligkeit Deiner Liebe ſtand immer zwiſchen uns.

Ich verſuchte jede Kunſt, und die Liebe hat ihrer gar manche; aber wenn ich ſo offen ſprach, und es war, als hätte ein Kind mich verſtehen müſſen da ſahſt und lächelteſt Du mich mit hoffnungsloſer Unſchuld an. Ich gelobte einſt, es möge mich koſten, was es wolle, ich würde nicht ſprechen, bis ich Dich ſo treu, ſo innig mich lieben gemacht, als ich Dich glühend ſelbſt liebte. Ich wartete Monate, ich hätte Jahre warten können; ge⸗ ung, es iſt Alles vorüber. Sei frei, vergiß den Sturm eines Augenblicks in dem Frieden eines ganzen Lebens. Sei glücklich, glücklich, und doch, o! wie glücklich hätte Dich Dein Freund machen können, wenn Du es nur ge⸗ wollt.

Er ließ mich los und trat zurück. Gerührt von ſeinem Schmerze, konnte ich meinen Thränen nicht Ein⸗ halt thun. 8

Weine nicht um mich, ſagte er mit einem trauri⸗ gen Lächeln: es iſt wahr, daß, als ich aus Italien zu⸗ rückkam, ich mich im Stillen rühmte, den Thorheiten der Jugend und den Gefahren der Leidenſchaften entgan⸗ gen zu ſein. Ach, wenn das Schickſal auch, dem ich draußen getrotzt, ſich in meiner eigenen Heimath in den Hinterhalt gelegt, ſo wiſſe, Daify, daß ich wie ein Mann ihm in das finſtere und bittere Geſicht ſehen kann, das