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Er ſah blaß und müde aus, und wandte ſich lang⸗ ſam um, als ich eintrat. Er ſah mich an der Thüre ſtehen, ſtand auf und trat zu mir, ohne zu ſprechen, ich ſah ihn wie im Traume an. Er nahm meine paſſive Hand in die ſeine und warf mir einen wirren Blick zu, dann ſchlang er plötzlich ſeinen andern Arm um mich und ſah mich mit dem traurigſten Geſichte an.
„Muß ich Dich ſo ſehen, Daiſy?“ ſagte er in lei⸗ ſem Tone.„Dubiſt blaß wie der Tod, aber auch ſo ſchweig⸗ ſam; Deine Hand liegt in der meinen, kalt, wie Eis und dennoch entziehſt Du mir ſie nicht. Du überläſſeſt Dich ſtumm und geduldig wie ein ſchwaches, kleines Opfer den Armen, die Dich umfangen! Keine Thränen! keine Worte, die zum Vorwurf reizen, oder Deinen Stolz verletzen. Nichts als Opfer und ſchweigende Hin⸗ gebung.“
Er ſprach von Bläſſe; ſein eigenes Geſicht war wie Marmor, ſeine Thränen floßen über, ſeine Lippen zit⸗ terten, er bückte ſich, um ſie auf meine Stirn zu drücken, unwillkürlich wich ich ſeiner Umarmung aus.
„Bebe nicht zurück,“ ſagte er mit ſichtlichem Schmerz, ges iſt das Letzte. Ja! das Letzte. Ich dachte mir, Dir eine ſolche Prüfung aufzuerlegen, Daiſy,“ fuhr er fort, indem er mir einen ſinnenden Blick zuwarf.„Aer⸗ ger über Deine Blindheit, und die unwiderſtehliche Ver⸗ ſuchung einer plötzlich dargebotenen Gelegenheit ließen mich wirklich einen Augenblick die theuer erkaufte Geduld eines Jahres vergeſſen; die Leidenſchaft nach langer Un⸗ terwerfung zur Tyrannei ſich aufſchwingend und krank durch den Zwang gelobte ſich, was es auch koſten möge, befriedigt werden zu müſſen. Du biſt jung, edel und hingebend. Wenn ich vor Monaten geſprochen, ich weiß, und ich wußte es damals— daß ich Dich auf die bloße Frage hin hätte haben können. Aber ich wollte Dich auf dieſe Weiſe nicht, Ich hoffte— ol Daiſy— was habe ich


