267
plötzlich erwacht, und vom nordiſchen Winter war ich in
die glühenden Tropen verſetzt. Ich dachte nie an Liebe oder Leidenſchaft, an Seligkeit oder Qual, mir war wie einem, der vom ſcheinenden Wetter erfaßt und weit über den menſchlichen Horizont hinausgeworfen wird, während draußen das Toben der Wogen noch immer meinen Ohren nachtönte. Ich unterwarf mich einer Macht, der man nicht widerſtehen konnte.
„Sei es,“ dachte ich, während mein Herz in furcht⸗ loſer Frende pochte,„ich kümmere mich nicht, wohin mich der Sturm führt, mag mich die Springfluth in den wilden Wirbel hineintreiben, oder mich auf ſanften Wogen dahintragen— was kümmerts mich— es iſt doch leben!“
Ich kämpfte nicht gegen den Strom an; ich ſuchte nicht zu wiſſen, wo ich war, bis der Strom von ſelbſt ruhi⸗ ger floß, bis ſeine gewaltige Stimme in leiſem Mur⸗ meln erſtarb, und ich auf ſtillen Gewäſſern dahin ſchwamm. Da blickte ich auf und gleich wie Jemand, der nach ei⸗ nem irdiſchen Schlaf in dem Feenland erwacht, gewahrte ich mit zitternder Freude das ſeltſame und wunderbare Land, für das ich während eines jahrelangen Schlum⸗ mers geboren worden.
Cornelius liebte mich, es war wunderbar, un⸗ glaublich, aber gerade deßhalb ein großes herrliches Ding. Er liebte mich!
Mein Herz ſchwoll bei dem Gedanken, meine Seele war ſtolz darauf; ich fühblte mich zugleich gedemüthigt, gehoben und beglückt, mehr als alle Sprache es aus⸗ ſprechen konnte. Ich hatte keinen beſtimmten Gedanken, keinen beſtimmten Wunſch, aber vor mir breitete ſich die Zukunft wie ein endloſer Sommertag aus, darunter lag das Leben gleich einer bezauberten Gegend, welche Cor⸗ nelius und ich Hand in Hand durchwanderten, und ſo ſchritten wir nach dem goldenen Weſten wo eine Sonne glühte, die nimmer untergehen ſollte.


