Teil eines Werkes 
7.-11. Bdchen (1853)
Entstehung
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Neununddreißigſtes Kapitel.

Ein leichter grauer Streif drang im Oſten durch die tiefen und ſchweren Wolken der Nacht. Ich trat an das Fenſter, öffnete es, kniete daran nieder, blickte nach dem immer noch dunkeln Himmel, und überließ mich der ſanf⸗ ten Strömung, die mich hinweg trug.

Es liegt eine Gewalt in heftigen Aufregungen, die ſelbſt den Stärkſten unterjocht hat; ein gefährlicher Reiz, dem ſelbſt der Weiſeſte nicht widerſtehen konnte. Was der Sturm für unſere Sinne iſt, etwas das unſer ganzes Weſen durch ſeine Hoheit und Gewalt erhebt, nieder⸗ ſchmettert und wieder erhebt das iſt der Kampf der Leidenſchaften für die Seele. Sie ſind die Elemente, aus deren Conflikt und elektriſchem Zuſammenſtoß ſie ihre Stärke, ihre Größe und ihr Selbſtbewußtſein ſchöpft. Und deßhalb liebt ſie ſie, ſo oft ſie auch ihre ſchönſte Hoffnungen vernichtet. Es iſt wirklich ſehr hart, immer im Kampfe gegen dieſe rebelliſchen Diener zu ſtehen, und dabei von ihnen zerriſſen zu werden; aber ſüßer iſt dieſer bittre Kampf, als ein langer lebloſer Frieden. Die Gefahr liegt nicht ſo ſehr in dem Zufall einer endlichen Unterwerfung, als darin, den Kampf zu ſehr lieben zu lernen. Weit gefährlicher als die ſüßeſte Muſik i*ſt ſein Lärm, endloſer als alle Genüſſe der Sinne und weit berauſchender iſt ſein unendlicher Wechſel. Die Seele in ihrer ſegensvollſten Ruhe hat Nichts, was dem glühenden Reiz ſeines Deliriums gleicht.

Meine Jugend war ruhig geweſen, wie ein eisbe⸗ deckter See, über den ein ſtiller, aber kalter Hauch ſtreift, die jedoch weder den Sturm noch den glühenden Son⸗ nenſchein des Südens kennt. Und nun war der Sturm