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nach dem Frühſtücke wurde die Kiſte geöffnet. Als Cor⸗ nelius die letzte Hülle wegzog, welche zwiſchen uns und ſeinem Bilde war, fühlte ich mein Herz vor Erwartung klopfen; Kate war von dem Augenblicke, da ſie es zu Geſichte bekam, lauter Staunen und Bewunderung. Das Gemälde, obgleich nicht ſehr groß, war eine wohlausge⸗ führte hiſtoriſche Scene: es ſtellte den Tod der Maria Stuart dar, mit trauernden Frauen, Rittern, Pagen, Henkern und Allem.
„Wie ſchön, wie außerordentlich ſchön!“ rief Kate mit Thränen in den Augen;„welch' ein Vorwurf und wie behandelt! Aber wie ſchade, daß es nicht zeitig ge⸗ nug für die Academie kam!“.
Es entſtand eine Pauſe, er bückte ſich und wiſchte etwas Staub von Maria Stuarts Geſicht, autwortete jedoch nicht. Seine Schweſter fuhr fort:—
„Wer iſt der finſtere Mann im Vordergrund?“
„Der Earl von Salisbury.“ 4
„Ahl ich ſehe es ihm an, er kann kein guter Menſch ſein, es ſteht ihm im Geſicht geſchrieben. Und wer iſt das Mädchen in der Ecke?“
„Eine Zuſchauerin.“
„Dacht' ich's doch!“ rief Miß O Reilly triumphirend, „ich ſah es gleich an ihrer unbefangenen Miene. Cornelius, es iſt Alles ſo wunderbar charakteriſtiſch!“
Er antwortete nicht: er öffnete die Schnüre eines großen Portefeuilles und überblickte die Skizzen und Zeichnungen, die es enthielt. Seine Schweſter rief ihn etwas unruhig herbei:„Hatte Marie Stuart wirklich ein Sammetkleid an? Ich hoffe, daß Du keinen Miß⸗ griff gethan. Kritiker ſind wahre Harpyen, das weißt Du ja,“ fügte ſie mit einem Seufzer hinzu:„ſie würden gleich über dieſen Fehler herfallen.“
Er legte ſeine Hand auf ihre Schulter und ſah m. einem freundlichen Lächeln in ihr fragendes Geſicht. „Beruhige Dich, Kate: Marie Stuart ſtarb in


