Teil eines Werkes 
7.-11. Bdchen (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

21

ihr Gemach ein und ſchlief bei mir. Sie beklagte ſich über meine Unruhe; ſie mochte wohl Grund haben! Auf dem Meere der Freude hin⸗ und hergeworfen, ſchlief ich kaum auf Augenblicke ein. Ich erwachte früh⸗ zeitig und ſtand auf. Der Morgen war hell und heiter und mein kleines Zimmer von Sonnenſchein übergoſſen.

Daiſy, ſagte Kate in dem Tone des Vorwurfs, Du brauchſt keine ſolche Eile zu haben: er iſt noch nicht wach.

Ich öffnete das Fenſter, während ſie ſprach. Ich zog mich raſch zurück, denn es ging auf den Garten hin⸗ aus: ich war nur halb angekleidet und obgleich ich Nie⸗ mand ſah, brachte mir die friſche Luft den Duft einer Cigarre. Mein Herz klopfte vor Freude und eine Stimme in mir ſchien zu ſagen:Ja, ja, er iſt zurück.

Nicht wach! rief ich lant,nein, er iſt bereits im Garten. O Kate, hilf mir mein Kleid zuheften.

Nicht das dunkle, alltäglich graue Kleid! ſagte Miß O Reilly in entſchiedenem Tone,er haßt dunkle Farben.

Sie ging an meinen Schrank und nahm ein hell⸗ blaues Muſſelinkleid.

Aber das hat kurze Aermel, ſagte ich, etwas unruhig,es ſieht ſo geputzt aus.

Sprich nicht von kurzen Aermeln oder geputztem Ausſehen, Die Hauptſache iſt, ihn nicht mit einer häß⸗ lichen Farbe zu quälen, die er nicht mag.

Ich gab gegen meinen Wunſch und meine Anſicht nach; theils um ſie zu beruhigen und noch mehr, um keine Zeit zu verlieren. Ich gewann nichts durch meine Bereitwilligkeit. Miß O Reilly kleidete mich, wie ſie mich nie zuvor gekleidet hatte und brachte mit ungewöhnlicher Gereiztheit bald Verbeſſerungen in Vorſchlag, bald ver⸗ warf ſie wieder Alles, was ſie angeordnet. Bald meinte ſie, eine ſchneeweiße Chemiſette wuͤrde ſehr hübſch ſtehen,