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Leigh niederließ, kam ſie zu einem Entſchluſſe, den ſie mir eines Abends folgendermaßen mittheilte:„Daiſy, Du warſt zu jung, als Du Leigh verließeſt, um zu wiſſen, daß es als ein kleiner Ort auch die Mängel aller kleinen Orte hat, in welchen das Leben ſich in einem Kreiſe von Verläumdungen, Zänkereien, Neid, Skandal und Ge⸗ ſchwätz bewegt. Wir können nun zwar den Verleum⸗ dungen anderer nicht ausweichen, aber wir können uns hüten, Gleiches mit Gleichem zu vergelten: dies geſchieht am leichteſten dadurch, daß wir uns von allen Leuten entfernt halten. Man wird uns natürlich haſſen, uns für ſtolz, oder was in England noch ſchlimmer, für arm halten. Aber kümmere Dich nicht darum, Kind, das läßt ſich leicht ertraßfn⸗
„Papa galt auch für ſtolz,“ ſagte ich.
„Das war er, Kind; er beſaß einen Geiſt, der über die Jämmerlichkeiten eines ſolchen Ortes erhaben war: er würde überhaupt nirgends ein populärer Mann geworden ſein. Nun, wie geſagt, Kind, wir müſſen es ertragen, für ſtolz und arm angeſehen zu werden, denn wir wollen keine Bekanntſchaften machen. Einen anſtän⸗ digen, höflichen Verkehr müſſen wir allerdings mit Miß Murray unterhalten— ſie wird uns nicht viel beläſtigen, die arme Perſon!— aber weiter werden wir auch nicht gehen. Du darfſt mich jedoch nicht mißverſtehen. Ich will Dich nicht einſchließen und wenn Du mit anſtändigen jungen Leuten Bekanntſchaft machen kannſt, ſo habe ich nichts dagegen. Es iſt hier am Orte ein Tanzmeiſter und da Dein Vater wünſchte, daß Du tanzen lernſt, ſo ſollſt Du das natürlich auch lernen. Wenn Du dort verſtändige Mädchen findeſt, und wünſcheſt, ſie bei Dir zu ſehen, ſo kannſt Du ſie nach Belieben zu Dir kommen laſſen. Nur auf Beſuche von ihrer Mütter muß ich ver⸗ zichten, wie ich ſelbſt auch keine von ihnen beſuchen werde.“ 8 So war die Sache entſchieden. Wir lebten auf unſre


