Teil eines Werkes 
7.-11. Bdchen (1853)
Entstehung
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Wogen ſich einen Weg bahnt, und mit triumphiren⸗ der Kraft, die die Furcht bannt, auf dem Waſſer

dahinſtolzirt, und uns das Gefühl gibt, es werde den

Hafen ſicher erreichen und noch manchem Sturme trotzen. Noch andere, wenn auch weniger beſtimmte, doch für mich nicht minder ergreifende Bilder bot mir der Ocean, das Bild der Einſamkeit und Oede, wenn die un⸗ ermeßlichen dunkelgrünen Fluthen langſam dahin rau⸗ ſchen oder ſchwer an das Ufer ſchlagen, während unge⸗ heure Wolkenmaſſen an dem neblichen Horizonte hinzo⸗ gen, wo ſich das dunkle Grau mit der Schattirung eines blaſſen Grau verſchmolz und das Gefühl einer melancholi⸗ ſchen Unendlichkeit in das Herz flößte, das nur die nor⸗ diſchen Ufern geben.

Ich ergötzte mich an dieſem wilden einſamen Leben und fühlte ſelten die ganze Einſamkeit meiner tägli⸗ chen Streifereien. Bisweilen, wenn ich zufällig im Sande die Spuren meines eignen Trittes fand, die kein anderer Fuß gekreuzt, ſeitdem ich dort geweſen, und die nur der Wind verwiſchen oder die Welle wegſpülen konnte, ergriff mich plötzlich ein düſteres Gefühl. Es war mir, als ob ein Freund, den ich nie wieder ſehen oder begegnen ſollte, dieſe Spur für mich zurückgelaſſen. Ich hatte das unbeſtimmte Gefühl, daß die, die jetzt vorüberging, nicht mehr dieſelbe ſei, die einſt hier ge⸗ gangen. Vielleicht waren indeß nur wenige Tage ver⸗ floſſen; aber aus dieſen wenigen Tagen, die ungeſehen und unbemerkt verüberfliehen, beſteht nicht allein die Summe, ſondern auch der ununterbrochene Wechſel un⸗ ſeres irdiſchen Lebens.

So innig ich die Einſamkeit geliebt, ſo halte ich ſie doch nicht für ein reines, ungemiſchtes Gut. Wehe dem Umgang mit der Natur, der nur ein Brüten über ſich ſelbſt und nicht eine Vermiſchung der Seele mit dem allmächtigen Schöpfer der ganzen ſichtbaren Welt iſt; wehe dem, der in ihrer Lieblichkeit nichts als die