Teil eines Werkes 
7.-11. Bdchen (1853)
Entstehung
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über das Bereich des menſchlichen Blickes hinauszuſtrecken ſchien, während der hohe Himmel ſich alles umſchließend herabſenkte und inmitten des Unendlichen ein Gefühl des Endlichen gab.

Leigh gehört durchaus nicht zu dem romantiſchen und maleriſchen Theile der weſtlichen Küſte; aber wo ſich die Wellen des Oceans brechen, da ruht auch eine große und ernſte Schönheit in der Natur. Auf ei⸗ nem einſamen Felſen zu ſitzen, den Fiſcherbooten zuzu⸗ ſehen, wie ſie langſam an der Küſte hinſegeln, oder die Schiffe in der Ferne zu beobachten; die erhabene Un⸗ ermeßlichkeit rings um mich her zu fühlen, den raſchen und unendlichen Wechſel des Lichtes, das über Felſen, See und Wolken hinſtreift, zu betrachten, den Klängen zu lauſchen, vom lauteſten Geſpräch der ſich zu meinen Füßen brechenden ſchwellenden Woge bis zu dem lei⸗ ſeſten Gemurmel, das nie unter dieſen einſamen Klippen erſtarb, das war ein Vergnügen, das mir über Alles

ing.

3 8'Es gab angenehme Spaziergänge um Leigh her, aber ich war ihrer bald müde und kehrte immer wieder zu meiner vielgeliebten Küſte zurück. Dort lernte ich das Meer in all' ſeinen verſchiedenen Geſtalten kennen. Ich ſah es im Sonnenſchein, wie es ſich friedlich unter wol⸗ kenloſem Himmel ausbreitete, ein Bild der Reinheit und Ruhe und die leichte Barke forttrieb, die mit unbewußter und ſorgloſer Anmuth ihren Weg verfolgte. Ich ſah es im Sturm, wie die Dunkelheit über ſeinen wogenden Waſſern brütete, ſeine hohen, weißgekrönten Wellen wie wildes Schlangengezücht gegen die herab⸗ hängenden Wolken ſich aufbäumten, während flatternde Schwärme weißer Seevögel ſich bei jeder Bewegung des Meeres ſenkten und hoben, wie böſe Geiſter des Sturmes ſich freuend, und ein kühnes Schiff, mit ge⸗ brochenem Maſt und Segeln, die wie Fahnen am Schlachttage flatterten, durch die ſtürmenden Winde und