Teil eines Werkes 
1.-6. Bdchen (1853)
Entstehung
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bliebe und ich gab nach. Ich hielt mein Wort ich weinte nicht ich überſtand den Abſchied muthig. Cornelius ſchien ſehr bewegt. Er nahm mich in ſeine Arme und drückte mich wiederholt und innig an ſein Herz. Er ermahnte mich, bei meinen Studien zu beharren, gut und gehorſam gegen Kate zu ſein. Dann verſprach er, mir zu ſchreiben, nannte mich ſein Kind, ſeine liebe Adoptivtochter, gab mir wieder einen Kuß, ließ mich los und ging. Ich ſah das Cab die Straße hinabrollen, nicht ohne Kummer, aber ohne Bitterkeit. Von ihm getrennt zu ſein, war hart, aber von ihm zu ſcheiden, mit dem Bewußtſein ſo großer Liebe ſeiner Seits, mit der Ausſicht auf eine glückliche Wiederver⸗ einigung, mit der Ueberzeugung, daß ſeine Abweſenheit ihm eine ruhmvolle Laufbahn eröffnen würde, war doch immerhin noch zu ertragen. Ich weinte herzlich, aber ich war nicht unglücklich. Nach zwei Stunden kehrte Kate zurückz; ſie trat in das Wohnzimmer, nahm ihren Hut ab und begann zu weinen. Nun, ſagte ſie,er hat ſeinen Willen, er iſt weg, wie freute er ſich fortzukommen. Armer Junge, er hatte bisher ein düſteres Gefängnißleben geführt und Freiheit iſt ſüß. Ueberdies liegt es in der Natur der Künſtler; ſie ſchwärmen gerne umher und ſind ſie mal

auf den Beinen, ſo kümmern ſie ſich nicht um Mutter,

Schweſter oder Frau, die zu Hauſe warten.

Sie weinte wieder; aber nie gab es eine feſterere,

heiterere Natur. Sie that ihren Thränen Einhalt und ſagte mit einem Seufzer:

Nun, Midge, mußt Du mir helfen, denn es gibt ſehr viel zu thun. Reiße nur die Augen nicht ſo weit auf. Ich vergaß Dir zu ſagen, daß wir ausziehen.

Ausziehen?

Ja, mein Kind, wir müſſen. Ich hatte zwar Geld vorräthig, aber nicht genug, und da ich Corne⸗ lius nicht anders gehen laſſen wollte, denn wie einen ächten

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