Teil eines Werkes 
1.-6. Bdchen (1853)
Entstehung
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fühlte mich ungemein erhoben; dieſes Geſpräch hatte mein

Herz um ein Jahr und noch mehr älter gemacht, aber ich hätte nicht ſo mit ihm ſprechen können, wäre er nicht fortgegangen. Der leidenſchaftliche Wunſch, ihm eine größere Achtung vor mir einzuflößen, dieſer allein hatte meine Zunge gelöſet und dieſer Wunſch war durch ſeine Worte

mehr als befriedigt. O. Cornelius, rief ich,wie gut von Dir, daß Du nicht über mich lachſt! Armes Kind, dachteſt Du das wirklich? 6 Ich fürchtete.

Er ſchmälte mich freundlich wegen dieſer Furcht, als Kate ihm winkte, und mit ihm im Gange flüſternd I ſprach. Es ſchien ein Geheimniß unterwegs. Ich fühlte mich unglücklich. Als Cornelius mir an jenem Abend gute Nacht wünſchte, küßte er mich mit beſonderer Zärt⸗ lichkeit, was mich in Verlegenheit ſetzte. War dies nicht wielleicht die Abſchiedsumarmung? Ich glaubte eine un⸗ gewöhnliche Trauer in ſeinem Geſichte zu bemerken und hörte ihn einen Seufzer unterdrücken.

Ich ſagte nichts; beſchloß aber nicht zu ſchlafen in jener Nacht, lieber, als den Abſchied von Cornelius zu verſäumen. Bald nachdem ich mich in mein Zimmer

‚zurückgezogen, hörte ich ihn und ſeine Schweſter herauf⸗ kommen. Es war kaum zehn; dieſe ungewöhnlich frühe Stunde beſtärkte mich in meinem Verdachte. Ich blieb im Dunkeln auf. Ich hörte zwölf, dann eins, dann zwei ſchlagen und die Kraft, wach zu bleiben, ſchwand immer mehr. Der Schlaf iſt ein unbarmherziger Tyrann in der Jugend. Ich fühlte, wie ſich meine Augen unwill⸗ kürlich ſchloſſen. Ich faßte einen Entſchluß, der ſeinen guten Zweck hatte: ich ſtahl mich leiſe aus meinem Zim⸗ mer, ſetzte mich auf die Matte vor der Thüre von Cor⸗ nelius und ſicher, daß er das Zimmer nun nicht ohne mein Wiſſen verlaſſen könne, ſchlief ich bald feſt ein. Was ich hätte vorausſehen können, geſchah: Cornelius