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„Du warſt allerdings ein verwöhntes Kind; aber Du biſt darüber weg.“
„Ich glaube auch, Cornelius. Als ich hierherkam, war ich garſtig gegen Deborah, die freundlich genug war, es lange Zeit zu ertragen; eines Tages jedoch war Kate Ohrenzeuge davon, und ſagte mir, wie häßlich es fei, ſich unfreundlich gegen Dienſtboten zu benehmen. Sie ſagte: ſie wolle mir nicht befehlen, Deborah um Verzeihung zu bitten, aber ſie hoffe, daß ich es um meiner ſelbſt willen thun werde. Am nächſten Tage ging ich in die Küche und bat Deborah, mir zu vergeben.“
„Wie gefiel Dir denn das?“ fragte Cornelius und
warf mir einen neugierigen Blick zu.
„Durchaus nicht. Es peinigte mich ſo ſehr, daß ich es kaum thun konnte; aber ich war nie mehr grob gegen Deborah.“
„Wie kommt es, daß ich nie von dieſer Geſchichte hörte?“
„Ich bat Kate, Dir nichts davon zu ſagen. Es wäre mir unerträglich geweſen, wenn Du mich für un⸗ edel und gemein gehalten; und das hoffe ich, wird nie der Fall werden. Oder glaubſt Du?“ fügte ich hinzu und ſah ihn an.
„Ich denke,“ erwiederte er und blickte mir in's Auge, „daß in Dir ein ſeltſamer Funke kühnen Ehrgeizes glüht, wie er bei ſolcher Jugend befremdend iſt; wozu dieſer Ehrgeiz aber führen wird, iſt mehr als ich zu ſagen ver⸗ mag.“
„Cornelius, ich bin nicht ehrgeizig; aber ich wünſche gut zu werden und dazu wird mir, hoff' ich, Gott helfen.“
„Wenn das kein Ehrgeiz iſt, ſo weiß ich nicht, was es iſt,“ verſetzte Cornelius;„aber es iſt ein edler Ehr⸗ geiz, Daiſy, und ich freue mich, daß Du ihn beſttzeſt; ich achte Dich darum!“
Ich ſah zu ihm auf, um mich zu verſichern, daß er nicht im Scherze ſprach; aber er ſchien ſehr ernſt. Ich


