Teil eines Werkes 
1.-6. Bdchen (1853)
Entstehung
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Als er mich ſah, ſchien er ſehr verlegen. Ich glaube, er hielt mich durch das, was er geſagt, auf's Empfindlichſte verletzt; denn obwohl er nicht darauf an⸗ ſpielte, ſetzte er ſich auf die hölzerne Bank, hieß mich neben ihm Platz nehmen und war ſo ungewöhnlich freund⸗ lich, daß es mir unwillkürlich Spaß machte. Ich ließ mich eine Weile von ihm liebkoſen, ſah dann zu ihm auf und ſagte lächelnd:

Als ob ich mir daraus etwas machte, Cornelius! Als ob ich nicht wüßte, daß wenn ich auch noch ſo häß⸗ lich würde, Du mich doch lieben würdeſt! Als ob ich glaubte, das mache irgend einen Unterſchied bei Dir!

Er murmelte:Natürlich nicht. Ich fuhr fort:

Kate ſagt, Du ſeieſt ſchön und ich finde, Du biſt es auch; aber wenn Du ein Aug' verloren oder eine große häßliche Schmarre über das Geſicht hätteſt oder ſonſt auf eine Weiſe entſtellt wäreſt, es würde mir voll⸗ kommen gleichgültig ſein, Cornelius.

Er lächelte ohne zu antworten; ich fuhr fort:

Deßhalb Cornelius, beunruhigt mich das nicht, aber etwas Anderes, was Kate ſagte, beunruhigt mich.

Ich hielt inne und ſah ihn an: er ſchien etwas verlegen.

Was meinſt Du, Kind? ſagte er;worauf deu⸗ teſt Du hin?

Kate ſagte, ich liebe Dich mehr als je, Cornelius; und es iſt wahr, ſehr wahr; ich liebe Dich immer mehr, je älter ich werde, weil ich deine Güte beſſer zu würdi⸗ gen lerne; aber Etwas, was Du daraus ſchließen könn⸗. teſt, iſt nicht wahr.

Ich blickte ſehr ernſt zu ihm auf.

Kind! ſagte er erſtaunt,woran denkſt Du, wovon 3 ſprichſt Du?

Ich denke an Etwas, Cornelius, woran ich ſeit einem Jahre und länger denke. Ich wollte es Dir ſchon